Halle der Helden

Der Peiniger III

Am Morgen des 14. Februars, Valentinstag, betrat Claudia Zahn mit einem Blumenstrauß für die Frau ihres Chefs den Fahrstuhl, in dem bereits Manfred Frommel mit dem Postwagen auf die Fahrt in die oberen Stockwerke wartete.

Zuerst bekam sie einen Schock, aber dann fand sie ihre Sprache wieder. Sie schien nicht zu realisieren, dass sie nicht allein mit Frommel war, aber sie bemerkte die anderen Personen nicht.

Ohne Vorwarnung beschimpfte sie den Postboten und schlug dabei auf den Mann ein, bis man sie festhielt und ihr eindringlich sagte, sie solle damit aufhören.

Claudia Zahn wurde zu einem Arzt geschickt, sie hatte ich in ihrer rasenden Wut an dem Wagen verletzt. Der Blumenstrauß war ebenfalls kaputt, ihr Chef entsprechend erbost, als er von dem Vorfall erfuhr, aber vor allem, weil er seiner Mitarbeiterin dieses Verhalten gar nicht zurechnen konnte. Dennoch informierte er die Personaldirektion über diesen Vorfall, auch wenn er seine Mitarbeiterin noch nicht angehört hatte.

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Die Nachricht von dem Anschlag auf Manfred Frommel verbreitete sich wie ein Lauffeuer, obwohl die Gesellschaft mehr als 500 Mitarbeiter an dem Standort zählte. Mittags in der Kantine erfuhr auch Cora davon.

Frommel, den die älteren Kolleginnen nur ‚Fummel’ nannten, war wieder da. Schwach, aber da.

Cora ließ ihr Essen stehen, wartete, bis die Kollegen aufgegessen hatten und stellte ihr Tablett abwesend auf das Transportband zur Küche.

„Hey Cora“, stupste sie ihre Kollegin Tanja an „Du hast ja kaum etwas gegessen. Hat das nicht geschmeckt? Du hättest doch lieber die Pizza nehmen sollen. Die war echt lecker.“

„Nächstes Mal“, sagte Cora und ging abwesend an ihren Arbeitsplatz zurück.

Als Cora an diesem Tag nach Hause kam, war Anton bereits da. Er hatte gekocht, es standen Kerzen und eine rote Rose auf dem Tisch, ein wunderschöner Blumenstrauß stand auf einem Beistelltisch. Alles sah nach einem ‚dinner for two’ aus.

Cora legte ihren Mantel ab, ging zurück ins Wohnzimmer und setzte sich and den Esstisch.

„Das hast Du wirklich sehr schön gemacht“, sagte Cora. „Was gibt es denn zu essen? Ich bin hungrig wie ein Wolf.“

Anton schlug sich ein Geschirrtuch über den linken Arm, als sei er der Ober in einem vornehmen Restaurant: „Als Vorspeise reichen wir französische Zwiebelsuppe, als Hauptmenü Lammfilet an Pfeffersauce mit Pilzen und Kroketten, und zum Abschluss gibt es einen Nachtisch – was, wird noch nicht verraten. Möchte die Dame lieber Riesling oder Spätburgunder?“

„Den Riesling bitte“, entgegnete Cora und amüsierte sich über Anton.

„Kommt sofort“, und Anton eilte in die Küche.

Die Zwiebelsuppe war Croutons bestreut und mit Käse überbacken worden. Das war eindeutig keine Tüten- oder Dosensuppe.

Das Lamm war zart, wie Pfeffersauce pikant, aber nicht aufdringlich scharf, die Kroketten goldgelb, der Wein kühl. Wo immer Anton so schnell so gut kochen gelernt hatte. Was dann wohl erst der Nachtisch sein würde?

Nach dem Lamm gab es eine kleine Pause, die Cora nutzte, um ihren ehrlichen Respekt auszudrücken. „Das hast Du wirklich toll gezaubert. Dafür hast du Dir auch einen Kuss verdient.“

„Waaas“, hauchte Anton, während er Cora zu sich zog, „nur ein Kuss? Habe ich dafür nicht etwas mehr verdient?“

„Das hängt ganz von dem Nachtisch ab“, antwortete sie kess.

„Der Nachtisch begibt sich jetzt ins Schlafzimmer“, sagte Anton bestimmt.

„Ich komme gleich nach.“

Fortsetzung folgt.

22.12.06 11:09, kommentieren

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Der Peiniger Fortsetzung II

Am nächsten Morgen war Anton schon aus dem Haus, als sie erwachte. Wie süß, dass er sie hatte schlafen lassen. Er war ein richtiger Schatz.

Während sie sich ankleidete, beschloss sie, auch ihm nichts zu erzählen, vielleicht würde er denken, sie wolle sich nur interessant machen oder würde sich in etwas hineinsteigern. Es war also besser, ihr junges Glück nicht mit so einer Sache zu belasten.

Sie fuhr zur Arbeit, doch mulmig war ihr schon. Sollte sie diesem Menschen heute wieder begegnen? Wie würde er sich verhalten?

Doch darüber brauchte sie sich für lange Zeit keine Gedanken machen:

Nach einigen Tagen dachte sie nicht mehr so oft an den Vorfall im Keller. Sie hatte eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch für eine unbefristete Position, sie wollte mit Anton zum ersten Mal länger verreisen, im Betrieb ihrer Eltern liefen die Geschäfte außerordentlich gut, so dass sie überall gebraucht wurde.

Nach einigen Wochen hatte sie die Zusage für den Arbeitsplatz bekommen und freute sich über alle Maßen darüber. Sie beschloss jedoch, nie wieder zur Warenannahme zu gehen, sondern fortan Kollegen um Hilfe zu bitten, sollte sie in die Verlegenheit kommen. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihr; Pakete wurden künftig immer mit dem Hausboten zugestellt, so dass Angestellte nicht mehr in die Warennahme gehen mussten.

So vergingen diese zwölf Jahre, ohne dass Cora Schneider an den Vorfall im Keller erinnert wurde und ohne dass sie Manfred Frommel auch nur ein einziges Mal begegnet war. Auf Röcke hatte sie seitdem verzichtet, ihre Kleidung war stets klassisch, obwohl andere junge Frauen auch mal Ausschnitt oder Bein zeigten.

Im Laufe der Zeit näherte sich ihre Kleidung ihrem tatsächlichen Alter an, ohne dass es ihr bewusst gewesen war.

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Zwei Stockwerke tiefer auf der anderen Seite des Gebäudes saß Claudia Zahn an ihrem Arbeitsplatz. Fast zeitgleich wie Cora hatte sie ganz ähnliche Erfahrungen mit Manfred Frommel machen müssen. Im Gegensatz zu Cora Schneider hatte sie den Vorfall in der Personaldirektion gemeldet, und es war ein Gespräch mit Herrn Frommel geführt worden, bei dem er alle Vorwürfe bestritt: Als verheirateter Familienvater habe er sich nichts zu Schulden kommen lassen, die Frau habe alles erfunden und vieles mehr.

Dennoch hat die Dame in der Personaldirektion die Angelegenheit sehr ernst genommen, und zusammen mit anderen Abteilungen wurde ein Konzept erarbeitet, wie man Manfred Frommel vom Rest der Belegschaft fern halten könne. Das Resultat war verblüffend einfach: Der Bote brachte künftig die Sendungen direkt in die Abteilungen, und um Manfred Frommel wurde es still.

Es war so lange still, bis ihn eben diese zwölf Jahre später ein Rückenleiden dazu zwang, seinen Arbeitsplatz in der Warenannahme aufzugeben. Es wurde ein jüngerer Mitarbeiter auf der Position eingearbeitet, und Manfred Frommel in die Post versetzt, wo es auch zu seinen Aufgaben gehörte, die Post vom Keller in die Abteilungen zu bringen.

Mit einem kleinen Wagen, ähnlich einem Einkaufswagen aus dem Supermarkt, verrichtete er diese Tätigkeit, die seinen Rücken schonte. Weniger geschont wurden fortan die Nerven der weiblichen Belegschaft, denn Frommel benutzte mit dem Wagen stets den Fahrstuhl … 

Fortsetzung folgt

21.12.06 10:16, kommentieren

Der Peiniger Fortsetzung I.

„Frau Schneider, ist das mein Päckchen? Na, das ist ja ein ausgewachsenes Paket“, witzelte Herr Reinecke, als er aus der Besprechung kam. „Das haben Sie aber hoffentlich nicht allein hier hoch getragen?“

„Doch“, entgegnete Cora, „kein Problem.“

„Sie hätten doch Herrn Frommel bitten sollen, dass er es nach oben trägt. Er hat auch eine Karre, also, Sie hätten sich nicht so abmühen müssen. Sie machen mir ein ganz schlechtes Gewissen. Konnte Herr Frommel Ihnen denn behilflich sein auf der Suche nach preiswertem Büromaterial?“

‚Oh nein’, dachte Cora. Manchmal waren die Kollegen auch zu aufmerksam: „Ja, danke für den Tipp. Ich werde gewiss später darauf zurückkommen, wenn ich weiß, was genau gebraucht wird.“

Herr Reinecke hatte Respekt vor dem Engagement der jungen Frau, die ihr eigenes Leben führte und trotzdem den Eltern in ihrem Betrieb unterstützte. Obwohl er selbst Kinder hatte, hätte er sich eine Tochter wie sie sehr gewünscht. __________________________________________________

Zu Hause fühlte Cora sich ausgebrannt und leer, konnte die Situation noch immer nicht erfassen. War das nun tatsächlich passiert, hatte sie geträumt oder bildete sie sich das alles nur ein?

Ihr Freund, mit dem sie zusammenlebte, war zum Sport gegangen und hatte ihr Essen auf den Herd gestellt. Anton war wirklich lieb!

Auch wenn es nur Ravioli aus der Dose waren, so zeigte er doch stets seine Aufmerksamkeit. Ihm vertraute sie, ihn liebte sie, aber könnte sie ihm auch erzählen, was heute geschah?

Sie aß monoton ihre Ravioli, zappte dabei ein wenig durch das Fernsehprogramm, schaltete den Fernseher aber letztlich doch aus. Ihr war eher nach einem Entspannungsbad.

Sie ließ sich Wasser ein, versuchte an etwas Schönes zu denken, an Anton, an Urlaub, an den Hund, den sie als kleines Mädchen gehabt hatte, aber die Gedanken schweiften wieder und wieder ab – zu dem Vorfall, den sie nicht vollständig realisieren konnte.

Außerdem hatte sie sich um eine unbefristete Anstellung beworben. Was wäre, wenn sie diesem Menschen ein Leben lang über den Weg laufen müsste? Er war etwa 35 Jahre alt, höchstens 40 – das könnte sie nicht ertragen bis zu seiner Rente. Vielleicht war es also besser, den Betriebsrat über den Vorfall zu informieren.

So ein Vorfall während des befristeten Arbeitsverhältnisses – das könnte sich auch für sie nachteilig erweisen. Sie würde vielleicht für hysterisch gehalten oder Schlimmeres, während der Mann dort vielleicht schon jahrelang unbemerkt Kolleginnen nachstellt.

Während sie aus der Wanne stieg, war sie zu der Überzeugung gekommen, dass es besser war, wenn sie die Angelegenheit nicht weiter betrachtete. So etwas könnte sie den Job kosten, wenn man davon ausginge, dass man dem langjährigen Mitarbeiter mehr Glauben schenken dürfte, als einer Aushilfe.

Plötzlich wurde ihr übel. Sie musste sich übergeben, bis sie nichts mehr in sich hatte. Danach fiel sie erschöpft auf ihr Bett und schlief ein.

Fortsetzung folgt!

20.12.06 10:03, kommentieren

Cora stellt sich vor

Vielleicht könnt Ihr Euch noch erinnern, daß ich vor einiger Zeit ein paar meiner Helden kurz vorgestellt habe.

Cora beginnt heute mit dem ersten Teil Ihrer Vorgeschichte, die Fortsetzungen werden in unregelmäßigen Abständen folgen, um die Spannung ein wenig zu steigern.

Später wird uns die Single-Frau mehr über sich erzählen, z. B. über ihre Sehnsüchte, Träume, Hoffnungen und Ängste. Dabei erzählt sie ganz nebenbei von ihrer Karriere und ihre Erfahrungen mit Kontaktanzeigen. 

Auch wenn ihr Traummann noch nicht unter den Männern war, mit denen sie sich bislang getroffen hat, so ist sie einigen wirklich 'schrägen Vögeln' begegnet. Sie verspricht, keine rührseelige Liebesgeschichte zu erzählen, sondern viel mehr die Lachmuskeln zu strapazieren.

Viel Vergnügen!

Eure Sternschnuppe887  

1 Kommentar 19.12.06 12:40, kommentieren

Der Peiniger

Cora Schneider war ohne Zweifel eine attraktive Frau, auch wenn sie sich ihres guten Aussehens nicht unbedingt bewusst war. In ihren eigenen Augen war sie längst nicht mehr der hübsche Teenager, sondern eine Frau, der man ihre 35 Jahre durchaus ansah. Ihr war auch nicht bewusst, wie sehr sie unter ihrem selbst gewählten „Aschenputtel-Image“ litt, war sie doch einst selbstbewusst gewesen, auffallend geschminkt, hatte gern Röcke getragen, auch Miniröcke, die ihre Figur besonders gut zur Geltung brachten.

Eine Schlampe war sie keineswegs, doch schminkte sie sich jetzt dezent, und ihre Kleidung war überwiegend grau. Anstatt Röcke trug sie Hosen, statt figurbetonter Jeans in der Firma Hosenanzüge, und zu Hause bevorzugte sie den Schlabberlook.

Als sie vor zwölf Jahren ihre steile Karriere in der Firma begann, ist sie von den männlichen Kollegen stets mit Respekt behandelt worden, sie spürte jedoch die eine oder andere Bewunderung, was ihr durchaus schmeichelte.

An einem Tag jedoch bat sie ein älterer Kollege, etwas aus der Anlieferung zu holen, da er selbst in eine Besprechung musste. Cora war der Auftrag ganz recht, schließlich kannte sie sich in dem Haus noch nicht so gut aus, und sie war immer sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem.

Cora verließ den Aufzug und wollte sich gerade orientieren, als sie ein kleiner, leicht untersetzter Mann ansprach: „Suchen Sie etwas Bestimmtes, Fräulein?“

„Ja“, entgegnete sie, „ich wollte in die Anlieferung, um dort für Herrn Reinecke ein Päckchen abzuholen.“

„Oh, da sind Sie bei mir genau richtig“, und ein breites Grinsen schob sich über das Gesicht des kleinen untersetzten Mannes. „Kommen Sie, dort ist mein Büro“, und er deutete auf einen scheinbar endlosen Gang, von dem viele Räume abgingen. Eine Tür jedoch stand offen, bei den anderen Räumen schien es sich um Heizungs- und Abstellräume zu handeln.

„Sind Sie neu bei uns?“, fragte der Mann interessiert, während sie weitergingen.

Cora war ein wenig unsicher, ob sie seine flüchtige Handbewegung richtig gedeutet hatte und empfand es daher als unglücklich, dass der Mann hinter ihr ging, anstatt ihr den richtigen Weg zu weisen, indem er vorging. So betrat sie den Raum, von dem sie annahm, er würde ihn gemeint haben.

Ganz nebenbei beantwortete sie die Frage: „Die Stelle wurde neu geschaffen. Ich bin befristet für ein halbes Jahr in der Abteilung von Herrn Dr. Kaufmann.“

„Ahhhhh“, entgegnete er viel sagend, „das Paket liegt dort hinten auf dem Schreibtisch.“

Der Raum war kaum größer als der Schreibtisch, der darin stand, aber es gab noch eine Reihe Aktenschränke, die dem Raum eine unangenehme Enge verliehen. Das Interieur war noch eine Generation älter, als sie es aus ihrem Büro kannte, und der Gesamteindruck ließ sich als unpersönlich beschreiben.

Sie durchschritt nahezu den gesamten Raum, um das ziemlich am Ende des Schreibtisches befindliche Paket an sich zu nehmen.

„Sie müssen mir noch unterschreiben, dass sie es in Empfang genommen haben“, sagte er nun. „Ach, ich habe noch gar nicht gefragt, wie Sie heißen …“.

„Mein Name ist  Schneider, Cora Schneider“, und sie wunderte sich, warum er die schwere dunkelgrün gestrichene Stahltür schloss, wo der Raum ohnehin schon so eine Enge ausstrahlte. „Und wie heißen Sie?“

Er tat beinahe einen Sprung auf sie zu, als er ihr die Hand reichte. „Ich bin Manfred Frommel, aber alle sagen hier Manfred zu mir“, dabei drückte er seine Hand in ihre, mit der anderen hielt er sie an der Schulter und drückte sie mit seinen Körper an den Schreibtisch.

Sie wollte schreien, noch immer nicht sicher, ob sie die Situation richtig einschätzte, doch ihre Stimme versagte. Wollte dieser Mann sie hier auf seinem Schreibtisch mitten in der Firma vergewaltigen? Völlig ausgeschlossen! Sie musste kühlen Kopf bewahren!

Es gelang ihr, sich vom Schreibtisch abzustoßen und für einen Augenblick, völlig unberührt in Raum zu stehen. „Wo muss ich unterschreiben?“, fragte sie mit betont fester Stimme.

„Dort“, hauchte er und stand nun seitlich neben ihr. Sie konnte seinen Geruch wahrnehmen, die Wärme seines Atems spüren, und ihr drohte dabei das Blut in den Adern zu gefrieren.

Gerade, als sie unterschreiben wollte, hielt er ihre Hand fest: „Es ist wohl besser, wenn ich mit nach oben fahre und tragen helfe.“

Sie riss ihre Hand los und unterschrieb unleserlich. Dabei wirkte er auf sie wie ein schmieriger alter Sack, der sich an kleinen Mädchen vergeht. Sie spürte den Ekel in sich aufsteigen und musste sich zwingen, nicht ohnmächtig zu werden.

„Danke, das ist nicht nötig“, hörte sie sich abwesend sagen und wandte sich zum Gehen.

„Als Herr Reinecke anrief, sagte er, sie hätten Interesse an Büromaterial. Alles Originalware, nebenbei bin ich selbständig, hier verdient man ja nicht so viel“. Dabei machte er eine ausladende Bewegung, die seinen gesamten Arbeitsplatz einschloss.

‚Oh bitte nicht!’, dachte Cora, die eigentlich gehofft hatte, diesem Ort nun so schnell wie möglich entkommen zu können.

Sie hatte erwähnt, dass sie Interesse hatte, Büromaterial für die Firma ihres Vaters zu kaufen. Bequemer hätte sie es auch gar nicht haben können, als die Sachen direkt von der Firma nach Hause zu fahren – wenn sie den Wagen ihres Vaters nahm.

„Ich liefere auch an“, setzte er fort, aber ehe er weiter sprechen konnte, fiel Cora ihm ins Wort:

„Danke, das ist wirklich sehr freundlich, aber ich wohne außerhalb …“.

„Wo denn?“, wurde sie sogleich unterbrochen.

„Ach, so ein kleines Dorf, kenne Sie vermutlich gar nicht, Siebenfelden.“

„Siebenfelden bei Neuenburg?“, fragte er erstaunt.

„Ja“, entgegnete Cora unfähig, sich der Konversation zu entziehen.

„Da fahre ich jeden Morgen durch. Wir könnten sogar zusammen zur Arbeit fahren.“ Wieder kam er unangenehm näher.

Den Karton, den Cora fest umklammert hielt, wurde langsam schwer. Ihre Finger wurden bereits weiß von der Anspannung.

Es half nichts, sie sah sich gezwungen, den schweren Karton auf dem Schreibtisch abzusetzen, um danach einen endgültigen Fluchtversuch zu unternehmen.

Diese Gelegenheit ließ Manfred nicht ungenutzt verstreichen und versperrte so den Weg zur Türklinke. Dabei ergänzte er sein Angebot auf ein Neues:

„Also, bei so einer hübschen jungen Frau, kann ich auch mal eine Ausnahme machen mit der Bezahlung. Du kannst später bezahlen, wenn Du das Geld nicht gleich hast. Wir haben ja alle mal frisch angefangen hier. Dafür verlange ich auch nicht viel …“

Wieder hauchte er sie an, sein Atem roch nach Kaffee und Zigaretten. Sie spürte, wie ihre Beine nachgaben, aber der Schreibtisch hinter ihr gab ihr halt. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass er seine Hand zwischen ihre Beine schob, die sie daraufhin fest zusammenpresste.

Für einen Moment fand sie zu ihrer inneren Stärke zurück und sagte: „Lassen Sie das!“

Sie drückte sich mit ihrem Fliegengewicht gegen ihn und bewegte ihn durch die Überraschung, die davon ausging, dazu, den Weg zur Türklinke frei zu geben.

Entschlossen drückte sie die Türklinge nach unten und war verwundert darüber, wie leicht sich die Tür öffnen ließ. ‚So ein Trottel!’ dachte sie. ‚Du hättest wenigstens die Tür abschließen müssen.’

Selbstbewussten Schrittes ging sie zum Arbeitsplatz zurück, ohne sich umzudrehen.

Fortsetzung folgt 

 

2 Kommentare 19.12.06 12:16, kommentieren

Meine Helden und andere Neuigkeiten

Kaum hatte ich meinen ersten Artikel geschrieben, wurde ich auch schon gebeten, den einen oder anderen Ansatzpunkt näher zu erläutern. Dem komme ich zu gegebener Zeit gern nach.

Momentan bin ich leider sehr mit der Vorbereitung einer Prüfung beschäftigt – also bitte ein wenig Geduld.

Außerdem wurde ich nach den Alltagshelden gefragt, und daher möchte ich hier mal ein paar „Freunde“ vorstellen.

- Lumpilette (Hündin, siehe separater Eintrag) 

- Mephisto (Kater, siehe separater Eintrag)  

Nein, keine Angst, nicht noch eine Tiergeschichte. Die anderen „Helden“ wollen aber zunächst nicht in Serie gehen und vielleicht auch noch ein wenig unbeobachtet bleiben.

Seien wir gespannt, was Cora, die Single-Frau, die sich gern wieder verlieben möchte, die Floristin Sarah, Kettenraucher Helge und einige mehr, uns Unterhaltendes mitzuteilen haben.

Viel Vergnügen!

Eure Sternschnuppe887 

10.11.06 12:57, kommentieren

Über Mephisto

Für die einen ist der tragische Held in Goethes Faust, für die anderen ist es die größte Tragödie, die sich in der Nachbarschaft ereignet hat:

 

Mephisto und sein Bruder Mephisto II, zwei weißgetigerte Hauskatzenjunge, werden an einer stark befahrenen Ausfallstraße ausgesetzt und getrennt. Während Mephisto II sofort ein liebevolles Zuhause findet, will Mephisto keiner haben. Er irrt durch die Gärten auf der Suche nach Essbarem, aber außer Flöhen und Zecken fängt er nicht viel.

 

Eines Abends glaubt ein Ehepaar, jemand habe auf dem Nachbargrundstück ein Baby in den Ascheimer geworfen. Markerschütterndes Geschrei hallt durch die Nacht, aber sie können kein Baby finden; dann die Schreie hören auf.

 

Am nächsten Morgen sitzt ein halb verhungerter, verängstigter und von Parasiten befallener Kater in dem Katzenhaus der ‚First Lady’. Von allen Beteiligten ist es Abneigung auf den ersten Blick; das Tier muss verschwinden! Mit Beharrlichkeit und langsam wachsendem Charme erobert er letztlich die Herzen seiner ‚Dosenöffner’.

Eine wahre Geschichte!

10.11.06 13:02, kommentieren