Halle der Helden

Harte Arbeit - wenig Lohn

Hallo alle zusammen,

heute habe ich unter 'Gedichte' einen neuen Eintrag veröffentlicht. Ich hoffe, er gefällt Euch.

Was gibt es Neues?

Wie schon der Titel dieses Eintrags besagt, habe ich noch immer wenig Zeit für die Schreiberei.

In der Zwischenzeit ist eine Kurzgeschichte fertig geworden, die allerdings - sorry - erst einmal an anderer Stelle veröffnetlicht werden soll.

Eine weitere Kurzgeschichte ist in Arbeit, die ist allerdings nicht lustig.

Das Buchprojekt ruht völlig, wird aber fortgesetzt, sobald der Englischkurs beendet ist. Das ist hoffentlich bald der Fall, denn der Kurs bringt zwar auch Freude, ist aber auch immens anstrengend.

Bis dahin

Sternschnuppe887 

 

  

 

 

 

  

 

27.5.07 13:14, kommentieren

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Über die Entstehung von

Jetzt, wo die Geschichte hier zu Ende ist, möchte ich mich über die positive Resonanz bedanken, aber auch kurz erklären, wie es zu der Erzählung kam:

Wer nun aufmerksam zwischen den Zeilen gelesen hat, hat sicher herausgefunden, dass die Dinge manchmal anders sind, als sie auf den ersten Blick scheinen mögen. Manchmal sind es die furchtbaren Dinge, die uns um eine Erkenntnis reicher werden lassen, die für die Wendung unseres Lebens von entscheidender Bedeutung ist. Nichts auf dieser Welt geschieht ohne Grund, sei die Erfahrung noch so schmerzvoll. Erst wenn wir den Sinn der Botschaft für uns deuten können, sind wir frei für einen Neubeginn.

Die Inspiration zu dieser Erzählung verdanke ich dem Leben an sich, und ich suchte nach einer Vorgeschichte für eine Frau, die sich als Single auf die Suche nach einer neuen festen Bindung begibt. Am Ende dieser Geschichte kommt sie natürlich zu einer tief greifenden Erkenntnis, aber bis dahin ist es ein langer Weg, und wohin die Reise geht, wird natürlich noch nicht verraten. Die Erlebnisse mit den Kontaktanzeigen soll die Erzählung ein wenig auflockern.

Allerdings müsst Ihr auf diesen Teil wieder ein wenig geduldig warten, denn ich habe noch nicht eine einzige Episode zu Papier gebracht, und es steht auch noch nicht fest, ob ich nicht noch eine Geschichte um die Geschichte herumbaue, damit das ganze in sich rund wird.

Das ist ein umfangreiches Vorhaben, das meine Freizeit momentan nicht erlaubt. Freut Euch auf die eine oder andere Leseprobe, und die anderen Helden sind auch schon ein wenig unruhig, denn auch sie werden nach und nach ins Rampenlicht treten.

Viel Vergnügen                                                                         Eure Sternschnuppe887

27.12.06 12:59, kommentieren

Der Peiniger VIII - letzter Teil

Am Freitagabend hatte sich Cora mit Anton zu einer Aussprache verabredet. Sie ging ohne Verlustängste zu dieser Verabredung. Endlich konnte sie Anton loslassen. Ohne es zu merken, hatte er sie doch sehr vereinnahmt, bis sie sich zurückzog und ihn unbewusst von sich stieß.

An diesem Abend trug sie eine Jeans und eine edle Bluse, was ihre Figur gut zur Geltung brachte. Cora erkannte in Antons Augen diesen Blick, wie er ihn früher oft gezeigt hatte, eine Mischung aus Zuneigung und Begehren.

Cora konnte diese Blicke jetzt genießen, ohne das erdrückende Gefühl, das sie bislang dabei gehabt hatte.

Das Gespräch selbst war von einer Reinheit und Klarheit, wie es sie in ihrer Beziehung nur selten gab. Er wollte sie besitzen, sie wollte nur ein wenig Freiraum. Die Beziehung war zu Ende, aber sie trennten sich in Freundschaft.  ___________________________________________________

Wie es ihre Art war, stürzte Cora sich in die Arbeit – und vorsichtig in ein neues Privatleben.

Wenige Tage später begegnete sie Manfred Frommel, dem gerade ein Stapel Post von seinem Wagen gefallen war. Er hatte Mühe sich zu bücken. Cora war zur Stelle und hob die Post für ihn auf. Dabei trafen sich ihre Blicke.

„Bitteschön, ihre Post.“

„Danke – mein Rücken …“, dann sah Frommel auf und senkte den Blick sofort wieder auf seine Post wie ein räudiger Sünder: „Dieser Brief hier ist gleich für Sie, Frau Schneider.“

„Sie kennen meinen Namen?“, wunderte sich Cora.

„Ja, wie könnte ich ihn vergessen, wo ich ihnen doch gerade erst selbst einen Brief geschrieben habe …“. Noch immer senkte Herr Frommel den Blick.

„Danke, ich wollte nur sagen, dass da nichts mehr zwischen uns steht. Damals habe ich wirklich darunter gelitten, aber ohne diesen Vorfall wäre mir eine andere Sache niemals klar geworden.“

„Sie wollen damit sagen, dass ich Ihnen mit der Entschuldigung einen Dienst erwiesen habe?!?“, fragte Herr Frommel und sah irritiert auf.

Obwohl Cora merkte, dass er nicht verstanden hatte, worum es ihr tatsächlich ging, entgegnete sie: „Ja, Sie haben mir mit der Entschuldigung wirklich die Last von den Schultern genommen.“

Ohne etwas zu sagen, ging er leicht auf seinen Wagen gestützt fort und schüttelte dabei fast unmerklich den Kopf.

Cora holte sich einen Kaffee aus dem Aufenthaltsraum und ging beschwingt zu ihrem Schreibtisch. Seltsam, dachte sie, ihm hat es mehr zugesetzt als mir, und auf eine Art waren sie beide füreinander wichtig gewesen, waren sie doch im Geiste mehr als ein Jahrzehnt miteinander verbunden gewesen.

Jetzt war diese Verbindung gelöst und Energie für neue Aktivitäten freigesetzt. Es gab es so viel, dass sie tun konnte und wollte. Ihre Gedanken fanden sofort eine Resonanz:

„Frau Schneider, kommen Sie kurz in mein Büro? Ich würde gern das Budget für die Werbestrategie mit Ihnen festlegen.“

„Gern“, entgegnete Cora und bewegte sich körperbewusst um eine Kurve auf dem Weg ins Büro ihres Chefs. 

ENDE

27.12.06 08:36, kommentieren

Der Peiniger VII

Nach einer belebenden Dusche fühlte sich Cora wieder etwas besser. Dennoch musste etwas geschehen, dass die Beziehung zu Anton nicht einfach so kaputt ging. Vor dem Spiegel probierte sie einige Kleidungsstücke an, die nach ganz hinten im Schrank lagen, Kleidungsstücke, die sie gern getragen hatte, als sie mit Anton zusammenzog.

Sie war sich selbst ein wenig fremd geworden, aber bei dem nächsten Treffen mit Anton würde sie zeigen, dass sie keine graue Maus ist.

Einige Wochen später war die Untersuchung der Personalabteilung abgeschlossen und man hatte Cora zu einem Abschlussgespräch gebeten.

Frau Spielvogel sowie der Abteilungsleiter der Personalabteilung teilten ihr zunächst mit, dass das Unternehmen aufgrund der weit zurückliegenden Ereignisse keine direkten disziplinarischen Maßnahmen gegen Herrn Frommel verhängen werde. Allerdings werde man sorgfältig prüfen, ob er für die Tätigkeit in der Post geeignet sei. Bei einem noch so geringen Anlass werde man Herrn Frommel abmahnen und gegebenenfalls kündigen, hieß es. Um dies zu vermeiden, werden „integrative Maßnahmen“ diskutiert. Man stelle sich daher vor, dass Herr Frommel sich bei den Damen entschuldigt, um weitere Konflikte oder gar Handgreiflichkeiten zu vermieden.

Bei Frau Zahn hatte sich Manfred Frommel bereits schriftlich entschuldigt, nicht zuletzt, weil sie sich derzeit in psychischer Behandlung befand. Offensichtlich hatte Frommel sie von allen Frauen am heftigsten belästigt.

Cora entschied sich, eine schriftliche Entschuldigung anzunehmen, auch wenn die Personalabteilung eine persönliche Entschuldigung bevorzugt hätte.

Wenige Tage später traf die Entschuldigung bei ihr ein, und obwohl sich Manfred Frommel alle Mühe gab, sich zu entschuldigen und zu bekräftigen, dass er jetzt ein anderer sei, umso mehr Abscheu empfand sie für ihn.

Ihre innere Leere hing auch damit zusammen, dass Anton während ihrer Abwesenheit einen Großteil seiner Sachen aus der gemeinsamen Wohnung mitgenommen hatte. Schon deshalb konnte und wollte sie Frommel nicht vergeben, auch wenn er sicher nicht allein für die Trennung verantwortlich war. __________________________________________________________________

Abends telefonierte Cora ausgiebig mit ihrer Freundin Sabine. Die beiden unternahmen nicht mehr so viel gemeinsam, seit Cora und Anton zusammengezogen waren, aber es verband sie eine lange gemeinsame Freundschaft, die in die Schulzeit zurückreichte.

Sabine baute Cora ein wenig auf und sagte: „Natürlich tut mir das leid mit Euch beiden. Vielleicht renkt sich das alles wieder ein. Sollst mal sehen, er wäre nicht der erste Kerl, der wieder zurückkommt.“

Cora liebte Sabines schnörkellose Art: „Wie sieht es denn bei Dir momentan aus?“

„Ich habe mich gerade von Michael getrennt. Du weißt ja, dass ich es nie lange mit einem aushalte – oder umgekehrt. Ich werde am Wochenende mal auf die Piste gehen. Du kannst ja mitkommen. Das ist gut für’s Selbstbewusstsein.“

„Das ist keine schlechte Idee. Wir telefonieren vorher noch, wann wir uns treffen, okay. Ich werd’ jetzt mal Schluss machen. Ich will noch ein Bad nehmen.“

„Bis Samstag, ich freue mich riesig!“ ___________________________________________________________________________

Cora hielt noch eine Weile den Hörer in der Hand, bis sie das Signal des Freizeichens zu stören begann. Sabine – wie viele Jahre waren vergangen, ohne dass sie etwas gemeinsam unternommen hatten. Ganz unbemerkt hatte sich Anton zwischen alles gedrängt, was Cora so einzig machte: Freunde, Erlebnisse, Hobbys - einfach alles Eigenständige.

Cora spürte, wie sie zu neuem Leben erwachte. War es am Ende gar nicht Frommel, sondern Anton, der in ihr so viel hatte absterben lassen an Träumen, an Hoffnungen und Wünschen?

Während sie badete, genoss sie erstmals die Zeit ohne Anton, völlig ohne Angst, ihn zu enttäuschen, ohne Reue.

Ja, so musste das Leben sein. Freiwillig sollte man geben, keine Zwänge eingehen. Über die Liebe zu Anton hatte sie die Liebe zu sich selbst beinahe vergessen, und ihre Energie war verblasst wie bei einem sterbenden Stern.

Forstsetzung folgt.

26.12.06 10:53, kommentieren

Der Peiniger VI

Nach dem Gespräch mit der Personaldirektion fühlte sich Cora befreit und erleichtert, als sei ein viel zu enges Kostüm aufgeplatzt. Sie hatte den Vorfall von damals in allen Einzelheiten geschildert.

Zunächst war der Leiter der Personalabteilung für ein Vier-Augen-Gespräch bereit gewesen, sie hatte kurz geschildert, was sich damals ereignet hatte und rief dann Frau Spielvogel an, die den „Fall“ Frommel betreute.

Frau Spielvogel hatte bekräftigt, dass ihre Aussage für Claudia Zahn sehr wichtig war, denn es zeigte, dass zumindest die Anschuldigungen nicht frei erfunden waren. Trotzdem konnte Frau Spielvogel nicht verbergen, dass sie erstaunt darüber war, dass gerade die als nüchtern geltende Cora von diesem Typen befummelt worden war.

Das Gespräch lief professionell und sachlich ab. Frau Spielvogel notierte sich die wichtigsten Sachverhalte und versicherte, man werde sich nach Abschluss der Untersuchungen und der Befragung von Herrn Frommel wieder bei ihr melden.

Den Rest des Tages schaffte sie ihr Pensum in gewohnter Weise, kurz vor Feierabend dachte sie an Anton, den sie wohl verloren hatte. Während sie zum Waschraum ging und ihren Becher spülte, war sie sich noch nie so deutlich darüber im Klaren gewesen, wie recht Anton mit dem hatte, was er in seinem kurzen Wutausbruch von sich gegeben hatte.

Während sie früher körperbetonte Mode bevorzugte, hatte sie nach dem „Vorfall“ im Keller des Gebäudes, das ihre berufliche Heimat geworden war, eher schlicht und weniger figurbetont gekleidet. Dessous trug sie seitdem nur unter der Bettdecke, privat bevorzugte sie plötzlich nur noch langärmelige hochgeschlossene Pullis und knöchellange Hosen, Röcke nur zu besonderen Anlässen. Seit dem Vorfall hatte sie sich in Röcken immer ein wenig ungeschützt gefühlt, aber bewusst gewesen war ihr das nicht.

Wenn sie bloß Anton damals gleich gesagt hätte, was los war, würde sie heute nicht vor den Trümmern ihrer Beziehung stehen.

Anton - wie waren sie in einander verliebt gewesen. Wenn er sie noch liebte, würde er ihr bestimmt verzeihen. _____________________________________________________________

Allein abends in der gemeinsamen Wohnung und zu wissen, er kommt nicht nach Hause, alles das ließ ihre Laune sinken.

Noch ehe sie aber ernsthaft hätte Trübsal blasen können, läutete das Telefon:

„Hallo, hier ist Anton. Du wolltest eine Aussprache …“. Er wirkte kurz angebunden.

„Ja, es tut mir so leid. Wollen wir uns treffen?“

„Das halte ich für keine gute Idee. Bei uns zu Hause ist nicht der richtige Ort, hierher kannst Du nicht. Du weißt, dass meine Mutter Dich nicht leiden kann, im Cafe oder Restaurant will ich auch keine Beziehungskrise diskutieren. Sag’ mir einfach, was Du willst.“

Mit dieser schroffen Art hatte Cora nicht gerechnet. Dennoch versuchte sie, ihre Beziehung zu retten:

„Anton, es tut mir leid. Jetzt weiß ich, wie sehr Du mit Deinen Aussagen Recht hattest. Ich wollte Dich nicht kränken. Es hat da damals einen Vorfall gegeben. Wir waren gerade frisch verliebt, und ich wollte unser Glück nicht gefährden …“

„Red nicht lange rum: Gab es einen anderen?“, fragte er schroff.

Cora ärgerte sich darüber. Dass Männer immer sofort an ihre gekränkte Eitelkeit denken müssen.

„Nein, es war nur so, dass ich … dass ich … nur knapp einer Vergewaltigung entgangen bin …“

Anton schwieg zunächst. „Warum hast Du mir das nicht erzählt?“

„Es war wenige Wochen nach unseren Einzug in die Wohnung. Alles war perfekt. Ich hatte Angst, Du würdest denken, ich hätte … weil ich damals so kurze Röcke trug …“, Cora weinte hemmungslos.

Wieder schwieg Anton: „Warum hattest Du kein Vertrauen zu mir?“

„Ich … ich hatte ja Vertrauen, aber ich habe niemanden davon erzählt, erst am Valentinstag, als es diesen Vorfall in der Firma gab, da kam alles wieder hoch …“

Sie erzählte, was in der Firma geschah und was der Auslöser für den Ausraster ihrer Kollegin war, und Anton hörte geduldig zu. Als sie geendet hatte, sagte er: „Cora, es ist schrecklich, was sich ereignet hat, aber verstehe mich bitte nicht falsch. Es ändert nichts daran, dass du meine Gefühle all die Jahre zurückgewiesen hast. Dass Du Dich mir nicht anvertrauen konntest, trifft mich erneut. Ich denke, es ist besser, wenn wir uns eine Weile nicht sehen.“

„Gut, da kann ich wohl nichts machen … Mach’s gut“, entgegnete Cora resigniert und hängte ein.

25.12.06 10:41, kommentieren

Der Peiniger V

Als Cora am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich bleiern, ausgezehrt und hatte völlig verquollene Augen. Ihre perfekte Welt war eingestürzt, Anton, den sie mehr als alles andere auf der Welt geliebt hatte, es ihm aber nicht zeigen konnte, hatte sie verlassen.

Innerlich ausgebrannt und zerstört, rief sie in der Firma an und meldete, dass sie heute krank sei.

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Am Wochenende nahm sie allen Mut zusammen und rief bei den Eltern ihres Freundes an, wo sie ihn vermutete:

„Gunthermann …“. Antons Mutter war am Apparat.

„Hallo, hier ist Cora, ist Anton da?“

„Der will nicht mit Dir sprechen. Ich weiß ja nicht, was da zwischen Euch vorgefallen ist, und es geht mich auch nichts an, aber wir möchten hier keinen Telefonterror, dass das ein für alle mal klar ist!“

„Ich will doch nur …“ – Aufgelegt.

Cora schrieb Briefe an Anton, die sie wieder zerriss. Am Sonntag sah sie noch immer ziemlich fertig aus, aber sie hatte einen Brief geschrieben, in dem sie Anton um eine Aussprache bat – mehr nicht. Das solle sie ihm Wert sein, sie anzuhören.

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Am Montagmorgen fuhr sie bei Antons Elternhaus vorbei, um den Brief persönlich einzuwerfen.

Anschließend im Büro wurde sie von ihrer Kollegin Tanja gleich überfallen: „Wie geht es Dir? Wieder fit? Du hast letzte Woche wirklich elend ausgesehen, lag es am Kantinenessen? Du hättest auf mich hören sollen und die Pizza …“

„Tanja, bitte! Ich habe Kopfschmerzen, aber bin soweit wieder an Bord. Bitte sei so nett und gib mir alle Informationen, die am Freitag gekommen sind. Wir müssen bis morgen die Präsentation fertig haben und bis Donnerstag das Meeting mit Plambeck & Simmens wegen der neuen Werbestrategie vorbereiten. Wichtig ist, dass wir keinesfalls das Budget überziehen. Kannst Du mir alle relevanten Daten bis heute Mittag zusammenstellen? Ich muss zur Personaldirektion.“

Während sich Cora in Richtung Personalabteilung in Bewegung setzte, hörte sie Tanja zuerst laut „Klar, wird erledigt“, danach zu sich selber sagen: „Personaldirektion?“

Fortsetzung folgt.

24.12.06 12:23, kommentieren

Der Peiniger IV

Cora ging ins Bad, um sich noch ein wenig frisch zu machen. Ohne dass sie es hätte beeinflussen können, kam ihr sofort wieder Frommel in den Sinn. Wäre es das Beste, auch sie über den so lange zurückliegenden Vorfall mit der Personalabteilung sprach? Mit ihrer Aussage könnte sie erheblich dazu beitragen, dass die Kollegin, die ihren Peiniger im Fahrstuhl attackiert hatte, keine disziplinarischen Maßnahmen zu erwarten hätte.

Jetzt nach all den Jahren würde man Cora Glauben schenken, ohne dass man es für einen Diskriminierungsversuch oder Ähnliches hielt. Auch ihre junge Karriere war nicht mehr in Gefahr. Schließlich war sie inzwischen Sachgebietsleiterin und hatte eine feste Position im Unternehmen eingenommen. Sie war anerkannt, bei vielen beliebt, man würde ihre Aussage sicher vertraulich behandeln. Das waren die Argumente, die ihr all die Jahre gefehlt hatten.

Gleich morgen würde sie zur Personaldirektion oder zum Betriebsrat gehen und offiziell Stellung nehmen.

Da war sie mit einem Mal wieder in diesem kleinen muffigen Büro, viele Jahre jünger, unerfahrener und spürte, wie dieser Mann, den sie gehofft hatte, nie wieder sehen zu müssen, ihr unter den Rock greifen wollte. Schlimmeres hätte geschehen können; Ekel stieg wieder in ihr auf, doch sie versuchte, die Sache kühl und analytisch zu behandeln, wie es ihre Art war.

Sie hing noch immer ihren Gedanken nach, als es an der Badezimmertür klopfte: „Hast Du mich vergessen? Was machst Du denn so lange da drin.“

„Äh, nichts, äh, ich komme gleich“, entgegnete Cora fast entsetzt, denn Anton hatte sie in der Tat völlig vergessen.

Als sie das Bad noch im Kostüm verließ, fragt Anton: „Was hast Du da drinnen bloß so lange gemacht? Ich warte auf Dich, und jetzt siehst Du aus, als wenn Du gleich wieder ins Büro willst. Zieh Dir doch bitte etwas Hübsches an.“

Sein Blick hätte Eisberge zum Schmelzen bringen können, aber Cora sagte: „Ich bin heute nicht in der Stimmung – bitte sei mir nicht böse …“

Anton schnitt ihr das Wort ab, war außer sich vor Wut: „Da will ich nach Wochen endlich mal ein netten Abend mit Dir verbringen, ich schufte mich in der Küche ab, versuche Dir alles so angenehm wie möglich zu machen, und Du sagst einfach ‚ich bin nicht in Stimmung’. Von Dir habe ich mich lange genug benutzen lassen, ich werde Dich verlassen, Cora Schneider. Du hast es einfach nicht anders verdient!“

„Anton, bitte, beruhige Dich …“ Während Cora wie gelähmt dastand, zog er sich seinen Pulli über, nahm eine Reisetasche aus dem Schrank und begann, wahllos Kleidungsstücke hineinzustopfen.

„Mit Dir bin ich fertig! Das war genug! Nie willst Du Dich mal für mich hübsch machen. Immer hast du nur diese grauen Fummel an, und ich habe mich so zum Narren gemacht all die Jahre, und Du hast es ausgenutzt. Du bist jetzt schon eine völlig verknöcherte, versteinerte Mumie. Sobald ich mich Dir nähere, weichst Du aus. Das geht schon ewig so, dabei möchte ich doch nur mal auch meine Wünsche respektiert haben. Mit Deiner Frigidität wirst Du jeden verscheuchen. Ich habe genug, ruf mich nicht an!“

Noch ehe Cora zu Wort kam, knallte er die Wohnungstür hinter sich zu. Das waren fast elf Jahre Beziehung.

Sie setzte sich auf das Bett und begann zu heulen – viele, viele Stunden lang.

Fortsetzung folgt.

1 Kommentar 23.12.06 15:32, kommentieren