Der Peiniger VIII - letzter Teil

Am Freitagabend hatte sich Cora mit Anton zu einer Aussprache verabredet. Sie ging ohne Verlustängste zu dieser Verabredung. Endlich konnte sie Anton loslassen. Ohne es zu merken, hatte er sie doch sehr vereinnahmt, bis sie sich zurückzog und ihn unbewusst von sich stieß.

An diesem Abend trug sie eine Jeans und eine edle Bluse, was ihre Figur gut zur Geltung brachte. Cora erkannte in Antons Augen diesen Blick, wie er ihn früher oft gezeigt hatte, eine Mischung aus Zuneigung und Begehren.

Cora konnte diese Blicke jetzt genießen, ohne das erdrückende Gefühl, das sie bislang dabei gehabt hatte.

Das Gespräch selbst war von einer Reinheit und Klarheit, wie es sie in ihrer Beziehung nur selten gab. Er wollte sie besitzen, sie wollte nur ein wenig Freiraum. Die Beziehung war zu Ende, aber sie trennten sich in Freundschaft.  ___________________________________________________

Wie es ihre Art war, stürzte Cora sich in die Arbeit – und vorsichtig in ein neues Privatleben.

Wenige Tage später begegnete sie Manfred Frommel, dem gerade ein Stapel Post von seinem Wagen gefallen war. Er hatte Mühe sich zu bücken. Cora war zur Stelle und hob die Post für ihn auf. Dabei trafen sich ihre Blicke.

„Bitteschön, ihre Post.“

„Danke – mein Rücken …“, dann sah Frommel auf und senkte den Blick sofort wieder auf seine Post wie ein räudiger Sünder: „Dieser Brief hier ist gleich für Sie, Frau Schneider.“

„Sie kennen meinen Namen?“, wunderte sich Cora.

„Ja, wie könnte ich ihn vergessen, wo ich ihnen doch gerade erst selbst einen Brief geschrieben habe …“. Noch immer senkte Herr Frommel den Blick.

„Danke, ich wollte nur sagen, dass da nichts mehr zwischen uns steht. Damals habe ich wirklich darunter gelitten, aber ohne diesen Vorfall wäre mir eine andere Sache niemals klar geworden.“

„Sie wollen damit sagen, dass ich Ihnen mit der Entschuldigung einen Dienst erwiesen habe?!?“, fragte Herr Frommel und sah irritiert auf.

Obwohl Cora merkte, dass er nicht verstanden hatte, worum es ihr tatsächlich ging, entgegnete sie: „Ja, Sie haben mir mit der Entschuldigung wirklich die Last von den Schultern genommen.“

Ohne etwas zu sagen, ging er leicht auf seinen Wagen gestützt fort und schüttelte dabei fast unmerklich den Kopf.

Cora holte sich einen Kaffee aus dem Aufenthaltsraum und ging beschwingt zu ihrem Schreibtisch. Seltsam, dachte sie, ihm hat es mehr zugesetzt als mir, und auf eine Art waren sie beide füreinander wichtig gewesen, waren sie doch im Geiste mehr als ein Jahrzehnt miteinander verbunden gewesen.

Jetzt war diese Verbindung gelöst und Energie für neue Aktivitäten freigesetzt. Es gab es so viel, dass sie tun konnte und wollte. Ihre Gedanken fanden sofort eine Resonanz:

„Frau Schneider, kommen Sie kurz in mein Büro? Ich würde gern das Budget für die Werbestrategie mit Ihnen festlegen.“

„Gern“, entgegnete Cora und bewegte sich körperbewusst um eine Kurve auf dem Weg ins Büro ihres Chefs. 

ENDE

27.12.06 08:36

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