Streng genommen - Fortsetzung II

Es war fünf Minuten vor acht, als Sylvia Lange in die Straße einbog, in der jetzt ihre Jugendliebe wohnte. Sie brauchte nicht lange nach einem Parkplatz suchen, denn zu der Villa gehörten auch mehrere Parkplätze. ‚Nicht übel’, dachte Sylvia und zog noch einmal den Lippenstift nach, ehe sie zum Haus ging.

Michael gab sich galant, nahm ihr die Jacke ab und sie setzten sich in das Kaminzimmer, das mit dem Esszimmer und der Küche eine offene Einheit bildeten.

„Meine Frau liebt es amerikanisch“, sagte er fast entschuldigend, dann ging er in die Küche und nahm die Fertigpasta vom Herd um goss sie durch ein Designersieb. „Das Essen ist fast fertig, vielleicht möchtest Du die Soße abschmecken?“

Sylvia wandte sich zu ihm und kostete die Soße. „Hm, lecker, selbst zubereitet?“

„Nein“, grinste er schelmisch, „aber selbst gekauft.“

Michael entkorkte weltmännisch den Wein, zündete Kerzen an und sie aßen zu Abend.

Nach dem Essen setzen sie sich an den Kamin und tranken Wein, erzählten sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten und bemerkten dabei nicht wie die Zeit verflog.

„Ist der Sohn Deiner Frau nicht da?“, fragte Sylvia nicht ohne Hintergedanken.

„Er feiert am Wochenende immer Partys. Meist kommt er nicht vor dem Morgengrauen heim und ist dazu bis zum Abend kaum ansprechbar.“

Michael setzte wieder seinen entschuldigenden Blick auf, in den sich Sylvia schon als Teenager verliebt hatte. So redeten sie und tranken Wein, bis das Feuer im Kamin heruntergebrannt war. ______________________________________________Am

Sonntagmorgen klingelte Sylvias Mobiltelefon in ihrer Handtasche. Ein wenig benommen ergriff sie es und sagte mit schwerer Stimme: „Ja.“
„Mama, hier ist Tobi. Gott sei Dank, ich dachte schon, Dir sei etwas passiert, weil Du nicht zu Hause bist! Wo um Himmels Willen steckst Du?“

„Bei’m Freund“, lallte Sylvia und öffnete langsam die Augen und fügte nach einer kleinen Pause hinzu: „Ich kann aber nicht fahren.“

„Hattest Du einen Unfall? Du klingst so komisch?“ Tobias klang ernsthaft besorgt um seine Mutter.

„Nein, nur ein bisschen zuviel getrunken. Ich komme mit dem Taxi und hole das Auto später.“ Sylvia wurde langsam klarer und stellte erschreckt fest, dass ihre Kleidung nicht in Ordnung war.

„Die Karre muss hier verschwinden, meine Frau kommt am frühen Nachmittag zurück“, hörte sie Michael kalt hervorbringen, der vor ihr mit nacktem Oberkörper auf einem orientalischen Teppich räkelte. 

„Mama? Alles in Ordnung bei Dir?“, fragte Tobias durch das Telefon.

„Hm.“, antwortete Sylvia. „Das Auto kann nicht hier bleiben, aber fahren kann ich keinesfalls.“

„Gut.“ Tobias schien einen Moment zu überlegen. „Wir fahren jetzt zu Dir, und Daniel fährt den Wagen zurück?“

„Daniel?“ Sylvias Stimme klang ein wenig überdreht.

„Ja, Daniel. Er ist schon über achtzehn und hat schon eine Weile seinen Führerschein“, sagte Tobias bestimmt.

„Du warst doch mit Daniel auf der Party …“. Sylvia klang besorgt.

„Keine Angst, das erkläre ich Dir gleich. Wo bist Du?“

„Die Karte von dem Freund liegt auf dem Telefontisch.“

„Ich rufe nur kurz Daniel an, wir sind in schätzungsweise zwanzig Minuten bei Dir, okay.“

„Okay.“ Sylvia legte auf und sah Michael an, der noch immer auf dem Teppich lag.

„Wir haben doch nicht etwa …“, fragte sie ihn, was er mit einem breiten Grinsen beantwortete.

Fortsetzung folgt.

Sternschnuppe887

 

5.10.07 09:12

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