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Kleine Fische

Hallo zusammen,

draußen endlich mal schönes Wetter, und wir sitzen vor dem Computer. Irgendwas läuft da verkehrt, doch egal, wo wir schon einmal hier sind, sollte wenigstens auch ein kurzer Eintrag erfolgen.

Was es Neues gibt? Unendlich viel und doch nichts von Belang.

Allerdings habe ich in einer fast panischen Aufräum- und Suchaktion nach einem wichtigen Dokument, das leider bislang verschollen blieb, mein Gedichtbuch von früher gefunden.

Gäääähhhn!

Nein, natürlich nichts aus der Schule, selbst geschrieben- Ehrensache. Daraus stelle ich mal ein paar Gedichte ein.

Außerdem wurde ich gefragt, wieso ich nicht einfach über mich schreibe, über das, was mich bewegt und wie ich geworden bin, was ich bin.

Zu persönlich? Wahrscheinlich schon. Ob ich mich hinter den Romanhleden verstecke? Verstecken muß ich mich sicher nicht, aber Erlebtes und Unverarbeitetes ist sicher zuweilen in den Geschichten verpackt, manchmal sicher ganz unbewußt. Aber nein, ich schreibe auch wirklich gern Geschichten ganz ohne persönlichen Bezug, einfach aus der Laune 'was wäre wenn' heraus. Für eine gute Geschichte braucht es einen Plot, einen Plan und jede Menge Durchhaltevermögen, da die Geschichte nicht über die Zeit verloren gehen darf, so wie man Nebensächliches einfach vergißt.

Über Erlebtes kann ich ich frei von der Leber weg schreiben, aber wen interessiert schon, daß ich gestern im Fahrstuhl steckengeblieben bin und mir im Supermarkt eine Packung Toastbrot ins Gesicht gefallen ist, was zudem noch eine Verletzung im Gesicht nach sich gezogen hat.

Die verrücktesten Geschichten schreibt das Leben, und ich habe es oft erlebt, daß man mir sagte, ich habe ja eine geradezu übermenschliche Phantasie, nur sollte ich mich nicht lächerlich machen, indem ich so tue, als hätte ich das Geschilderte selbst erlebt. So bin ich darauf gekommen, es lieber wohl dosiert in Geschichten zu verpacken. Sozusagen reiner Selbstschutz. ;-)

Ob ich ein chaotischer Typ bin, dem das Pech an den Fersen hängt? Kann ich nicht pauschal mit 'ja' beantworten, mein Leben ist sicher bewegt, aber es läuft grundsätzlich einfach nicht alles in der richtigen Umlaufbahn. Jeder wird früher oder später an den Punkt kommen, wo Korrekturen im Leben vorgenommen werden müssen. Das ist ansich nicht schlimm, sondern eher wichtiger Bestandteil des Entwicklungsprozesses.

Und wenn ich doch über mich selbst schriebe? Einen Titel hätte ich schon mal, aber das ergab sich eher zufällig. Ich würde es 'Kleine Fische' nennen, da ich im Tierkreiszeichen Fische geboren bin. Es war ein langer Prozess, dies zu akzeptieren. Warum, ist schon eine Geschichte für sich.

Wie es zu dem Titel kam? Mir fiel ein, daß es, als ich klein war,  sonntags immer die 'Schlagerparade' auf NDR2 gab, die mein Vater und nicht verpassen durften. Wir fuhren im Auto umher, stellen den Wagen irgendwo ab, gingen spazieren und hörten danach die Musik. Im Laufe der Jahre gab es Lieder, die ich sehr mochte und welche, die ich nicht mochte. Darüber hinaus bin ich heute absolut kein Schlagerfan.

Eines der Lieder brachte mir großes Unbehagen: 'Kleine Fische' von Vader Abraham.

Während das Lied der Schlümpfe sehr bekannt ist, kann sich vermutlich niemand mehr an 'Kleine Fische' erinnern. Wen es interessiert, kann nach dem Text googlen. Es handelt davon, daß keine Mädchen eines Tages groß werden und der Vater keinen allzu großen Einfluß mehr auf das Leben der Tochter haben wird.   

Obwohl ich wahrhaftig keine Heulsuse war, habe ich bei diesem Lied all meinen Schmerz unterdrücken müssen. Mein Vater hat sicher ebenso empfunden, aber es war uns von Kindesbeinen aberzogen worden, Gefühle zu zeigen, was später zu einem zwiespätigen Verhältnis geführt hat, an dem er zumindest zerbrochen ist. Es ist aber auch die Geschichte eines Soziopathen, der die Macht über ein Kind verloren hat, das er zum Instrument seiner grausamen Spiele machen wollte, beherrscht von Manipualtion und Kontrolle, und es ist der Beweis dafür, daß selbst noch so gut gemeinte Taten im Fiasko enden können. 

Wer will das wissen?

Wozu war all dieses Leiden nötig? Ich könnte jetzt über Jesus schreiben, aber ich könnte auch einfach schreiben, daß über erlittenes Leid Erleuchtung möglich ist. Was fängt man damit an? Das muß jeder für sich selbst herausfinden - das ist unsere Aufgabe, deshalb sind wir hier.

Wem das jetzt zu pathetisch ist, kann ja das nachfolgende Gedicht lesen. Es gibt zum Auftakt ein eher ungewöhnliches Liebesgedicht.

Viel Vergnügen!

Sternschnuppe887

 

 

  

 

 

 

 

9.5.08 20:48, kommentieren



Eine Liebe

Ich lieb' Dich, Schleswig-Holstein,  

Wo Deine Wälder steh'n.  

Ich liebe alle Flüsse,   

Ich liebe alle Seen.

 

Ich lieb' Dich, Schleswig-Holstein,  

Jeden Bach und jedes Moor, 

Ich liebe Deine Gärten 

Und jedes Scheuentor.

 

Ich lieb' Dich, Schleswig-Holstein, 

Jede Wiese, jede Au', 

Ich liebe Deine Tiere, 

Jeden Fuchs und jeden Bau.

 

Ich lieb' Dich, Schleswig-Holstein,    

Wo Deine Inseln sind, 

Wo schreien Deine Möwen, 

Und stürmisch rauscht der Wind.  

 

Ich lieb' Dich, Schleswig-Holstein,

Jedes Dorf und jede Stadt,

Ich weiß, daß jeder Flecken, 

Etwas ganz Besond'res hat. 

 

Sternschnuppe887, 1988/1989

 

 

1 Kommentar 9.5.08 21:02, kommentieren

Mein funkelnder Stern

Nachts funkeln die Sterne,

Tags funkelst Du,

Drum mache ich nachts nur

Die Äugelein zu.

Sternschnuppe887 1989 von und für einen besonderen Freund

11.5.08 20:58, kommentieren

Amerika

Amerika, das ist das Land,

Welches einst Colubus fand.

Er fuhr mit einem Schiff hinüber,

Mir wär' Fliegen weitaus lieber.

Nur in Gedanken bin ich dort,

Denn leider kann ich hier nicht fort.

Ich muss schaffen wie ein Tier,

Bloß den Wunsch erhalt' ich mir.

 

Sternschnuppe887, 1988 / 1989

12.5.08 09:10, kommentieren

Der Stolz - allein

Ich bin wie ein Vogel,

So frei wie der Wind.

Ich bin wie das Meer,

Wie die Wellen so sind.

Ich bin wie die Sterne,

So unendlich fern

Und habe die stolzen

Schwäne so gern.

Doch ich hab' Gefühle wie jedermann auch,

Dann wieder weiß ich, wie sehr ich Dich brauch'.

Sternschnuppe887, 1988 für einen besonderen Freund

17.5.08 13:56, kommentieren

Träume

Träume sind wie Luftballons,                               

Bunt und süß wie Fruchtbonbons,

Zum Himmel schweben Sie hinauf

Und nehmen leise ihren Lauf,

Schrauben sich zum Himmelszelt,

Bereichern die reale Welt.

 

Doch oftmals gibt es einen Knall

Ein Traum verstirbt im freien Fall.

Wenn ein Traum zu Ende geht,

Wird auch Hoffnung fortgeweht.

Ein Wesen fühlt sich krank und schwach,

Entschlossenheit lässt spürbar nach.

Mit Energie und Antriebskraft

Hat mancher Traum es doch geschafft.

Er wurde wach, er wurde wahr

Und kam dem Himmel ach so nah.

Für Träume ist nie zu spät,

Mit Glück werden sie Realität.

Sternschnuppe887, 2008

 

21.5.08 07:58, kommentieren

'Bli-bla-blu' oder 'Von Würmern umgeben'

Mancher Wurm, benannt nach Tau,

Gilt allgemein hin nicht als schlau.

So ein Wurm, der schlängelt sich,

Durch den Boden ewiglich,

Dabei denkt er nicht daran,

Was er anderswo verpassen kann.

Er geht seinen Weg so klar,

Lebt allerdings auch in Gefahr,

Vögel lauern überall,

Soweit ist er klar, der Fall.

 

Ein Mensch hingegen ohne Ziel,

Bringt zustande auch nicht viel,

Vögel von ganz anderer Art,

Bemerkt er nicht, das trifft ihn hart.

Das eig'ne Können überschätzt,

Des Wurmes Würde abgesetzt. -

 

Doch geht es nicht viel mehr darum,

Nicht, ist ein Wurm eher klug, eher dumm,

Ein Mensch, der überheblich spricht,

Ist eher ein Wurm und merkt es nicht.

Sternschnuppe887, Mai 2008

1 Kommentar 30.5.08 10:43, kommentieren