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Neues aus der Schreibwerkstatt

Hallo zusammen,

wahrscheinlich fragt sich so mancher, was ich in den letzten Wochen getan habe.

Während meines Urlaubs, als ich Zeit gehabt hätte zum Schreiben, ging prompt mein PC kaputt. Mit knapper Not habe ich noch die Steuererklärung fertig bekommen, dann war der Urlaub vorbei.

Unmittelbar nach dem Urlaub habe ich bei einem Umzug geholfen. Mein Umzug war schon schlimm, aber das Chaos hat alles Vorherige unbesehen in den Schatten gestellt!

Keine Koordination der Handwerker, diejenigen, die sich eigentlich darum kümmern sollten, waren nicht vor Ort, und die, die es auch betraf, im Urlaub. Geniale Kombination!

Langweilig war das alles nicht, und so wurden aus einer kleinen Gefälligkeit zwei ganze Wochen Schufterei nach Feierabend zuzüglich zweier Wochenenden. Danach war ich erstmal ziemlich platt und hatte einige gesellschaftliche Verpflichtungen wahrzunehmen.

Die Woche mit dem Feiertag kommt ganz gelegen, einen Teil meines bisherigen Lebens bei ebay zu versteigern, u. a. damit ich im Falle eines Umzugs nicht vor den Trümmern desselben stehe.

Die Zeit mit den Überstunden rückt auch unaufhörlich näher, und wenn mich jemand fragt, was ich bei myblog in den letzten Wochen getan habe, dann antworte ich, dass ich jede Menge nerviger Gästebucheinträge gelöscht habe. Also, wem das nicht gefällt, was ich schreibe, dem sei gesagt, dass ich damit nicht das geringste Problem habe, nur wäre es schön, es mir selbst zu schreiben und nicht den blog zu vermüllen.

Vielen Dank für das Verständnis und denjenigen, denen es gefallen hat sei gesagt, dass es auch bald etwas Neues gibt.

Viel Spaß und einen schönen Tag wünscht

Sternschnuppe887

1.10.07 12:48, kommentieren



Streng genommen

‚Der zunehmende Alkoholkonsum von Jugendlichen und Heranwachsenden alarmiert Eltern, Lehrer und Politiker gleichermaßen.’, las Sylvia Lange in der Morgenzeitung. Als Ehefrau und Mutter zweier Kinder hatte sie manchmal ein wenig Sorge um ihre beiden Kinder, die mit vierzehn bzw. siebzehn Jahren dem kritischen Alter angehörten. Sylvia war eine noch recht attraktive Frau Ende dreißig. Sie lebte mit ihrem Mann und ihren Kindern ein wenig beengt in einer Dreieinhalbzimmerwohnung in einer größeren Wohnanlage, in der vorwiegend Familien ihre Heimat gefunden hatten.

An diesem Samstagmorgen gab es neben der üblichen Hausarbeit und dem noch zu erledigenden Einkauf Diskussionen mit den Kindern:

„Auch wenn Euer Vater über das Wochenende nicht zu Hause ist, heißt das noch lange nicht, dass Ihr machen könnt, was Ihr wollt. Tobias, Du bist erst siebzehn. Ich erlaube nicht, dass Du zu dieser Party gehst. Deine Leistungen in Latein könnten wahrhaft besser sein, und ich möchte nicht, dass Du Dich betrinkst, wie es Dein Freund Daniel offenbar jedes Wochenende tut.“

„Mama, das stimmt nicht.“ Tobias drehte gelangweilt seinen Croissant in der Erdbeermarmelade.

„Was stimmt nicht? Dass Daniel Dein Freund ist oder dass er sich hoffnungslos betrinkt. Geburtstag hin oder her, er ist ein schlechter Einfluss, Du bleibst zu Hause - und damit basta!“

„Lass Tobi ruhig zu der Party gehen, Mama, der rasselt doch sowieso durch das Abi.“

Völlig verschlafen und mit zerzausten blonden Haaren erschien die vierzehnjährige Frederike am Frühstückstisch: „Gib mir mal die Butter, Mama.“

Sylvia reichte ihrer Tochter die Butter, die weder zu ihr aufsah noch sich bedankte.

„Wie kommst Du darauf, dass Dein Bruder das Abi nicht schaffen könnte? Räum’ Du lieber Dein Zimmer auf. Ich habe Dir schon hundert Mal gesagt, dass nächste Woche jemand kommt und alle Thermostate austauscht. Wenn das Zimmer bis dahin nicht sauber ist, mache ich das, aber ich mache kurzen Prozess mit Deinen CDs, Zeitungen, Postern und werfe all den Kram zusammen mit Deiner schmutzigen Wäsche in den Mülleimer.“

Tobias ignorierte die Streithähne: „Du kannst machen, was Du willst, ich gehe zu der Party, sonst stehe ich vor den anderen wie ein Trottel da. Ich verspreche, mich nicht zu betrinken, und ich lasse für den Notfall das Handy an. Wenn ich morgen früh nicht zurück bin, kannst Du immer noch eine Vermisstenanzeige aufgeben.“

Sylvia sah ein, dass es zwecklos war, an allen Fronten Krieg zu führen und willigte resigniert ein: „Gut, mein Großer. Aber wehe, Du hälst Dein Wort nicht, dann war es die letzte Party, bevor Du achtzehn wirst. Deal?“

„Okay, Mama, deal.“

Sylvia wunderte sich ein wenig darüber, dass ihr Sohn so schnell nachgab, aber so war es natürlich angenehmer: „Frederike, Du bekommst Dein Taschengeld nur, wenn das Zimmer fertig ist. Wohin gehst Du heute Abend?“

„Zu Maike“, entgegnete Frederike knapp und stand vom Tisch auf, nahm ihr Glas Orangensaft und ein trockenes Brötchen mit, von dem sie im Verlassen der Küche abbiss. „Vergiss nicht, nachher die Essensreste zu entfernen“, rief Sylvia hinter ihrer Tochter hinterher, doch die Tür zu ihrem Zimmer fiel bereits vernehmbar ins Schloss.

Tobias stand ebenfalls auf, stellte seinen Teller auf die Spüle und gab seiner Mutter einen Kuss: „Wenn Du nicht so streng wärst, könnte man Dich manchmal richtig gern haben.“

Fortsetzung folgt.

Sternschnuppe887

 

1.10.07 13:10, kommentieren

Streng genommen - Fortsetzung I

Sylvia Lange stand gerade am Kühlregal im Supermarkt und überlegte, was sie einkaufen sollte, als sie jemand von hinten ansprach:

„Sylvia?“, sagte eine aus fernen Tagen vertraute Männerstimme.

Sylvia drehte sich um, dass ihre Ohrringe geräuschvoll gegen ihr lockiges Haar schlugen.

„Michael, das ist ja eine Überraschung.“ Ihr schlug das Herz bis zum Hals vor Freude. Ob er noch wüsste, wie sehr sie gelitten hatte, als sie sich damals nach der Schule aus den Augen verloren hatten?

„Wie geht es Dir?“, fragten beide gleichzeitig, und die Welt um sie herum verschwamm zu einem milchigen Brei.

„Mir geht es gut“, sagte Sylvia schließlich, als sie ihre Fassung einigermaßen wieder gefunden hatte. „Was machst Du denn hier?“

Ein wenig unsicher entgegnete Michael, der sich nur trotz einiger grauer Haare wenig verändert zu haben schien: „Ich kaufe ein. Und Du?“

„Ähm, tja, ich auch.“ Beide lachten ein wenig verlegen. 

„Bist Du verheiratet?“, fragte Michael zögerlich.

„Ja, und Du?“ Sylvia spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg.

„Ja, ich auch. Habt Ihr Kinder?“

„Ja, Tobias ist siebzehn und Frederike vierzehn. Habt Ihr auch Kinder?“

„Meine Frau hat einen Sohn. Sie ist gerade auf Geschäftsreise, deshalb versuche ich mich mal als Hausmann und Koch.“ Mit einer Geste unterstrich er seine Hilflosigkeit.

„Was machst Du beruflich?“, fragte Sylvia neugierig.

„Ich bin selbständiger Kaufmann. Und Du?“

„Seit die Kinder auf der Welt sind, illustriere ich Bücher, vermarkte Kalender und organisiere Kindergeburtstage.“ Sylvia schenke ihm ihr schönstes Lächeln.

Michael sah wie sich ihre roten Lippen bewegten und hörte nicht, was sie sagte. Wie benommen sagte er schließlich: „Schade, dass wir damals so auseinander gegangen sind. Es tat mir später immer wieder leid, aber hatte damals Ilona kennen gelernt und bin tatsächlich mit ihr nach Amerika gegangen …“

Sylvia erinnerte sich nur zu gut an die Frau, die ihr die Liebe ihres Lebens geraubt hatte: „Lass uns nicht über Vergangenes sprechen …“

Während ihre Blicke miteinander verschmolzen, brach Michael das Schweigen: „Du hast recht. Was hälst Du davon, wenn Du mich heute Abend zu Hause besuchst?“


Sylvia konnte nicht den Blick von seinen tiefblauen Augen abwenden. „Ja, gern. Meine Kinder sind heute Abend aus dem Haus, ich habe nichts vor.“

„Fein“, freute sich Michael. „Sagen wir so gegen acht?“  

„Acht Uhr? Das passt perfekt.“

Michael kramte in seiner Brieftasche nach einer Visitenkarte. „Ich gebe Dir meine Adresse. Wollen wir gemeinsam essen?“

„Klingt gut.“ Sylvia schmachtete ihn an.

„Meinst Du, die Fertigpasta hier ist zu empfehlen?“ Michael sah sie durchdringend an.

„Probier sie aus, dann werde ich es Dir sagen.“

„Dann bis heute Abend.“

„Dann bis heute Abend“, wiederholte Sylvia und fügte hinzu: „Ich besorge den Wein.“

„Prima, dann bis später.“ Michael sah Sylvia hinterher, wie sie in Richtung Weinregal verschwand. Ohne dabei nach vorn zu blicken, entfernte er sich von dem Kühlregal und fuhr mit dem Einkaufswagen direkt gegen ein Regal, aus dem tosend Ravioli- dosen zu Boden stürzten - direkt vor die Füße einer älteren Dame.

„Die heben Sie schön wieder auf, junger Mann“, sagte diese streng und verfolgte jede von Michaels Bewegungen, damit er ja keine auf dem Boden liegende Dose übersah.

Forsetzung folgt.

Sternschnuppe887

2.10.07 09:14, kommentieren

Streng genommen - Fortsetzung II

Es war fünf Minuten vor acht, als Sylvia Lange in die Straße einbog, in der jetzt ihre Jugendliebe wohnte. Sie brauchte nicht lange nach einem Parkplatz suchen, denn zu der Villa gehörten auch mehrere Parkplätze. ‚Nicht übel’, dachte Sylvia und zog noch einmal den Lippenstift nach, ehe sie zum Haus ging.

Michael gab sich galant, nahm ihr die Jacke ab und sie setzten sich in das Kaminzimmer, das mit dem Esszimmer und der Küche eine offene Einheit bildeten.

„Meine Frau liebt es amerikanisch“, sagte er fast entschuldigend, dann ging er in die Küche und nahm die Fertigpasta vom Herd um goss sie durch ein Designersieb. „Das Essen ist fast fertig, vielleicht möchtest Du die Soße abschmecken?“

Sylvia wandte sich zu ihm und kostete die Soße. „Hm, lecker, selbst zubereitet?“

„Nein“, grinste er schelmisch, „aber selbst gekauft.“

Michael entkorkte weltmännisch den Wein, zündete Kerzen an und sie aßen zu Abend.

Nach dem Essen setzen sie sich an den Kamin und tranken Wein, erzählten sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten und bemerkten dabei nicht wie die Zeit verflog.

„Ist der Sohn Deiner Frau nicht da?“, fragte Sylvia nicht ohne Hintergedanken.

„Er feiert am Wochenende immer Partys. Meist kommt er nicht vor dem Morgengrauen heim und ist dazu bis zum Abend kaum ansprechbar.“

Michael setzte wieder seinen entschuldigenden Blick auf, in den sich Sylvia schon als Teenager verliebt hatte. So redeten sie und tranken Wein, bis das Feuer im Kamin heruntergebrannt war. ______________________________________________Am

Sonntagmorgen klingelte Sylvias Mobiltelefon in ihrer Handtasche. Ein wenig benommen ergriff sie es und sagte mit schwerer Stimme: „Ja.“
„Mama, hier ist Tobi. Gott sei Dank, ich dachte schon, Dir sei etwas passiert, weil Du nicht zu Hause bist! Wo um Himmels Willen steckst Du?“

„Bei’m Freund“, lallte Sylvia und öffnete langsam die Augen und fügte nach einer kleinen Pause hinzu: „Ich kann aber nicht fahren.“

„Hattest Du einen Unfall? Du klingst so komisch?“ Tobias klang ernsthaft besorgt um seine Mutter.

„Nein, nur ein bisschen zuviel getrunken. Ich komme mit dem Taxi und hole das Auto später.“ Sylvia wurde langsam klarer und stellte erschreckt fest, dass ihre Kleidung nicht in Ordnung war.

„Die Karre muss hier verschwinden, meine Frau kommt am frühen Nachmittag zurück“, hörte sie Michael kalt hervorbringen, der vor ihr mit nacktem Oberkörper auf einem orientalischen Teppich räkelte. 

„Mama? Alles in Ordnung bei Dir?“, fragte Tobias durch das Telefon.

„Hm.“, antwortete Sylvia. „Das Auto kann nicht hier bleiben, aber fahren kann ich keinesfalls.“

„Gut.“ Tobias schien einen Moment zu überlegen. „Wir fahren jetzt zu Dir, und Daniel fährt den Wagen zurück?“

„Daniel?“ Sylvias Stimme klang ein wenig überdreht.

„Ja, Daniel. Er ist schon über achtzehn und hat schon eine Weile seinen Führerschein“, sagte Tobias bestimmt.

„Du warst doch mit Daniel auf der Party …“. Sylvia klang besorgt.

„Keine Angst, das erkläre ich Dir gleich. Wo bist Du?“

„Die Karte von dem Freund liegt auf dem Telefontisch.“

„Ich rufe nur kurz Daniel an, wir sind in schätzungsweise zwanzig Minuten bei Dir, okay.“

„Okay.“ Sylvia legte auf und sah Michael an, der noch immer auf dem Teppich lag.

„Wir haben doch nicht etwa …“, fragte sie ihn, was er mit einem breiten Grinsen beantwortete.

Fortsetzung folgt.

Sternschnuppe887

 

5.10.07 09:12, kommentieren

Streng genommen - Ende

Exakt achtzehn Minuten später bogen zwei Jungen auf Fahrrädern auf das Grundstück von Sylvias Jugendliebe ein.

Sylvia hatte sich inzwischen im Bad ein wenig frisch gemacht und den Sitz ihrer Kleidung in Ordnung gebracht. Sie spürte, dass sie große Mühe hatte, gerade zu gehen.

Nachdem sie sich flüchtig von Michael verabschiedet hatte und zusammen mit ihrem Sohn auf dem Rücksitz ihres Autos saß, schräg hinter Daniel, dem Freund ihres Sohnes, den sie immer für schlechten Umgang gehalten hatte, dämmerte ihr, dass etwas an dieser Situation nicht in Ordnung sei:

„Was ist denn aus Eurer Party geworden?“, fragte Sylvia schließlich.

„Also, Mama, ich hätte es Dir sowieso gesagt, und Daniel weiß auch bescheid: Wir waren auf keiner Party. Was Daniel angeht, er lernt am Wochenende Mathe und Latein, sonst rasselt er mit Pech durch das Abi. Wenn man seine Freunde kaum noch trifft,  klingt es natürlich cooler, wenn man sagt, man wäre auf einer Party versackt. Bei mir liegen die Dinge anders: Birgit und ich gehen jetzt schon drei Monate miteinander, und wir wollten allein sein. Du verstehst? Sag’ jetzt nichts. Sie nimmt die Pille, und ich habe ein Kondom benutzt. Ich denke, wir gehen verantwortungsvoll mit unserem Leben um, etwas, das man von Dir gerade nicht behaupten kann. Manchmal sollte man weniger von sich auf andere schließen. - Ich verspreche, Papa nichts davon zu sagen, wenn Du mit uns auch nicht immer so streng bist. Deal?“

„Deal. Ich gebe zu, wir waren auch mal jung, das ist mir durch das Wiedersehen erst bewusst geworden. Es war nicht richtig, Euch zu unterstellen, dass Ihr schlechte Kinder wärt. Es tut mir leid. Entschuldigung angenommen?“

„Entschuldigung angenommen“, entgegnete Tobias und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.

ENDE

Sternschnuppe887

11.10.07 12:20, kommentieren