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Schriftstellerei ist ein anspruchsvolles Hobby

Mit nicht zu verbergender Enttäuschung wurde an mich herangetragen, dass sich in meinem Blog sehr wenig tut.

Der süffisante Unterton entlockte mir ein verschmitztes Lächeln, war doch die Anspielung auf das Thema Zeitmanagement allzu offensichtlich.

Da waren sie also wieder, die Fragen, die beantwortet werden wollten. Auch wenn die Prüfung noch bevorsteht, soll das folgende Interview Aufschluss darüber geben, was künftig von Sternschnuppe887 zu erwarten ist:

Von Beruf bist Du Betriebswirtin. Steht das für Dich im Widerspruch zu Deinem Hobby, der Schriftstellerei?

Sternschnuppe887: „Keineswegs, aber auch nicht im Gegenteil. Beides fordert sehr viel von mir, denn ich muss im Büro über Stunden 100% konzentriert arbeiten. Nach acht bis zehn Stunden Arbeit ist die Luft dann erst einmal raus.

Schwieriger ist es für mich, gute Ideen, die oft im Laufe des Tages kommen, weiter zu verfolgen. Später haben die Ideen dann manchmal etwas von ihrem Charme eingebüßt, ähnlich wie bei einem Traum, den man am Tage weiterträumen möchte, ohne dass noch etwas von der Grundstimmung erhalten geblieben ist.“

Wie muss man sich Deine Tätigkeit vorstellen? 

Sternschnuppe887: „Meine Tätigkeiten sind sehr verschieden. Ich arbeite im Rechnungswesen eines mittelständischen Unternehmens mit Tochtergesellschaften im Ausland. Derzeit setze ich zusammen mit einem Kollegen gesetzliche Vorlagen in die Praxis um. Das ist sehr trockene Materie, aber auch interessant.

Darüber hinaus bin ich u. a. für die monatliche Berichterstattung sowie für das Finanzanlagevermögen zuständig. Zu den Quartals- und Jahresabschlüssen liegen zudem die Erstellung von verschiedenen Berichten sowie die Verarbeitung von Zusatzangaben für den Bilanzanhang in meiner Verantwortung.“

Schreibst Du nach einem anstrengenden Arbeitstag abends zur Entspannung?

Sternschnuppe887: „Das hängt sehr von dem Arbeitstag ab und davon, wann ich nach Hause komme und was sonst noch anliegt. Da ich mich für meine Freunde auch als spirituelle Lebensberaterin verstehe, bleibt abends oft gar keine Zeit zum Schreiben. Da ist meine Konzentration auf andere Dinge gerichtet.

Wenn ich eine Geschichte schreibe, ist das nur zum Teil Entspannung, denn die Schrift-stellerei ist ein anspruchsvolles Hobby, das meine Konzentration dann für Stunden bindet. Das Privatleben soll darunter nicht leiden, sonst wäre es kein Hobby mehr. Würde ich mich gar zum Schreiben zwingen, hätte das sicher bald keine Freude mehr daran.“

Wie wichtig ist Entspannung für Dich?

Sternschnuppe887: „Entspannung ist die Grundlage der Kreativität. Die Gedanken müssen frei fließen können. Kommt es zum Stau, kann keine Geschichte zum Leben erweckt werden, ohne dass sie blass und fad wirkt.

Wichtig ist aber der Wechsel der Phasen aus Entspannung und Anspannung. Ähnlich wie ein einem Muskel, der durch permanente Anspannung verspannt, aber durch stetige Entspannung erschlafft, benötigt auch das Gehirn ein geeignetes Training aus Phasen der Anspannung und Entspannung.“

Pflegst Du weitere Hobbys?

Sternschnuppe887: „Derzeit nur Sprachen und Lesen, aber da ich vielseitig interessiert bin, wird sicher das eine oder andere Hobby wieder aufleben oder vielleicht ein Neues entdeckt.

Da ich mich für Wirkung und Reflektion interessiere, zieht es mich neben dem Schreiben zur Fotografie, Malerei und Musik. Leider bringe ich nicht für alles das nötige Talent mit. Ich zeichne und fotografiere ‚für den Hausgebrauch’, wenn es die Zeit erlaubt, liebe Pflanzen und Tiere, habe früher auch Handarbeiten hergestellt.

Wie bereits erwähnt, interessiere ich mich auch für Psychologie und alternative Medizin, allem voran für Homöopathie, für Astrologie, Symbolik, Sprachen, reise und lese gern, derzeit übrigens ‚Deception point’ von Dan Brown; die deutsche Übersetzung trägt den Titel ‚Meteor’.

Im Grunde bin ich allen Themen gegenüber offen, so lange sie nicht mit Sport oder Hausarbeit zu tun haben. J

Was führt eine Betriebswirtin zur spirituellen Lebensberatung?

Sternschnuppe887: „Ein spiritueller Mensch bin ich schon von Kindesbeinen an gewesen. Betriebswirtschaftslehre ist fast ausschließlich intellektuell erworbenes Wissen, keine Gabe an sich.

Zunächst einmal glaube ich, dass alles in uns ist, nur manche Fähigkeiten sind durch Erziehung oder die gesellschaftlichen Normen nicht ausgebildet oder durch mangelnden Gebrauch verkümmert.

Im Laufe der Jahre habe ich nur das weiterentwickelt, was in mir war. Als das Interesse größer wurde, las ich auch Bücher zu dem Thema. Daraus hat sich dann entwickelt, dass ich Freunden mit Rat, manchmal auch mit Tat, zur Seite gestanden habe, etwas, das in der heutigen Zeit sehr kostbar geworden ist.“

Wie muss man sich so eine Beratung vorstellen?

Sternschnuppe887:  „Da gibt es keine festen Regeln. Kenne ich jemanden nicht näher, erfrage ich zuerst seine Geburtsdaten. Anhand von Astrologie und Numerologie verschaffe ich mir ein erstes Bild der Persönlichkeit. Danach schauen wir gemeinsam auf das Problem. Meist hilft es schon, dies zu formulieren, manchmal sitzen die Ursachen tiefer, dann beziehe ich  z. B. Träume und Kindheitserlebnisse mit ein.

Ich verstehe mich als Coach, versuche Menschen zu ermutigen, ihre Konflikte zu lösen und nicht aufzuschieben. Von außen betrachtet erscheinen die Dinge oft klarer und einfacher.

Meist geht es in den Gesprächen um Vorhaben, vor allem aber um zwischenmenschliche Beziehungen. Das sind immer ganz fragile Konstrukte. Es sagt sich immer leicht daher, dass sich jemand von jemand anderem lösen soll, aber alles hat einen tieferen Sinn. Den gilt es zu finden. Wiederholen sich Konflikte mit Menschen, geht es dabei um tiefere Ursachen. Jede Person ist für eine andere von Bedeutung. Entfällt die Bedeutung, wird sich die Beziehung vermutlich von selbst überleben.

Der Mensch verbirgt ja meist seine wahren Motive. Als außen stehende Person fällt es mir oft leichter, den Dingen auf den Grund zu blicken. Da gibt es viel zu beachten, wie die Wunde, die Maske, …

Hast Du eine Ausbildung?

Sternschnuppe887:  „Nein, eine Ausbildung habe ich nicht, da ich ja keinem meine Dienste direkt anbiete, tendiere aber dazu, eines Tages den psychologischen Berater abzulegen. Ich denke auch, dass ein Studium allein nicht ausreicht, wirkliches Einfühlungsvermögen zu erlernen. Das unterscheidet doch intellektuelles Wissen von Intuition.

Ich mische aber Wissen, das ich mir angelesen habe, z. B. aus der Psychologie mit ‚Pseudowissenschaften’. Auch wenn das schwer vorstellbar ist, so lege ich auch Karten vor einer wichtigen Entscheidung. Dabei ist wichtig, die eigene Entscheidungsfähigkeit zu behalten. Was in den Karten steht, sind nur Tendenzen wie Chancen und Risiken bei einem Vorhaben.

Übrigens ist das auch kein Widerspruch zu meinem Hauptberuf, denn die meisten Management-Entscheidungen werden nach Prüfung des Zahlenwerks letztlich doch aus dem Bauch heraus getroffen.“ 

Hast Du vor, eines Deiner Hobbys beruflich weiter zu entwickeln?

Sternschnuppe887: „Das wäre sicher ein Traum, aber es wäre nach einigen Monaten genau so Alltag wie bisher. Ich habe meist Freude daran, anderen ‚auf die Sprünge’ zu helfen, aber es geht manchmal auch an die Grenzen, denn das Leben verläuft selten gradlinig. Was die psychologische Hilfe betrifft, muss bei schweren Gemütserkrankungen selbstverständlich der Profi ran. Manchmal bin auch ich ein wenig hilflos, z. B. bei unheilbar erkrankten Menschen.

Die Schreiberei profitiert oft davon, dass ich nicht den ganzen Tag zu Hause am Computer sitze, sondern unter Menschen komme. Oft bekomme ich daher Anregungen oder einen Anstoß. Natürlich könnte ich mir vorstellen, eine Zeit lang ausschließlich als Autorin zu arbeiten, denn dann ginge es auch mit dem Roman voran, der nun schon seit neun Monaten kaum Fortschritte macht, aber da ich leider für mein Geld noch arbeiten muss, wird es sicher vorerst ein Traum bleiben.“

Wovon handelt der Roman?

Sternschnuppe887: „Der Roman ist vom Genre ein Polit-Thriller. Einzelheiten daraus werde ich natürlich noch nicht preisgeben, bevor nicht der komplette Roman fertig geschrieben und überarbeitet worden ist.“

Wird der Roman veröffentlicht?

Sternschnuppe887: „Das ist keine einfache Frage, denn für mich steht grundsätzlich der Unterhaltungswert im Vordergrund. Mir ist wichtig, meinen Lesern Freude zu bereiten und dass es mir auch Spaß bringt, sie in eine andere Welt zu entführen.

Ich gehe auch ganz realistisch davon aus, dass es kein Bestseller wird. Wenn das Buch fertig ist, werde ich mir darüber Gedanken machen, ob eine Vermarktung lohnt. Die Arbeit ist letztendlich getan. Warum also nicht?

Wird der nächste Roman wieder ein Polit-Thriller?

Sternschnuppe887: „Da ohnehin viel Zeit durch meine Arbeit gebunden ist, mache ich mir erst Gedanken darüber, wenn der erste Roman fertig geschrieben ist. 

Soviel wird aber verraten: Ich habe eine Idee zu einem weiteren Polit-Thriller, aber eigentlich wollte ich Kriminalromane und Kurzgeschichten, vielleicht sogar Fantasie, schreiben. Dafür habe ich mehr Ideen, als ich jemals aufschreiben kann, daher kann ich mir die spannenden Geschichten aussuchen, die weniger spannenden werden entweder verworfen oder noch einmal grundlegend überarbeitet.“

In Deinem Artikel über „Die Tücken des Alltags“ ist von ‚Zeit fressenden Monstern’ die Rede. Wie gehst Du persönlich mit Zeitfressern um?

Sternschnuppe887: „Da ich als Single und Katzenmutti nicht viele Dinge delegieren kann, kann ich „Zeitfresser“ nicht in „hilfreiche Heinzel“ verwandeln.

Daher ist es wichtig, Strukturen zu schaffen, d. h. z. B. Arbeitstechnik wird immer wichtiger. Es gehört auch immer eine Portion Selbstmotivation dazu sowie die Konsequenz, sich bewusst für oder gegen etwas zu entscheiden. Damit meine ich, nicht vor dem Fernseher zu ‚verenden’, wo doch auf dem Plan etwas ganz anderes stand.

Freizeit muss genau wie Termine geplant werden, auch wenn das der Kreativität oft abträglich ist. Perfektion ist da, wo sie unangebracht ist, absolut tabu.“

Wie wichtig ist Dir Perfektion beim Schreiben?

Sternschnuppe887: „Ohne zu pedantisch wirken zu wollen, sind mir einige Dinge doch wichtig: Dazu gehören vor allem Rechtschreibung und Grammatik. Allerdings ist die schönste Prosa wertlos ohne Inhalt. Im Thema selbst bewege ich mich gern frei, die Fakten müssen aber stimmen. 

Es kann auch geschehen, dass eine Geschichte viel Substanz hat, aber viele Begriffe erläutert werden müssen. Das bedeutet viel Recherche. Bei jeder Recherche können ungewollt Dinge auftauchen, die die Geschichte in ihrem Verlauf auch verändern können. Es strengt an, wenn die großen Hürden genommen sind, und die strauchelnden Füße über die kleinen Unwegsamkeiten fallen.“

Eine letzte Frage: Auf was für eine Prüfung bereitest Du Dich vor?

Sternschnuppe887: „Ich bereite mich auf das Cambridge-Examen vor. Die Vorbereitungen auf die nächste Prüfung werden fast das ganze Jahr 2007 in Anspruch nehmen. Wünscht mit Glück!"

12.12.06 08:32, kommentieren



Artikel editiert

Hier ein Hinweis in eigener Sache:

Der vorige Artikel wurde soeben editiert. Das war leider aus technischen Gründen nicht eher möglich.

Sternschnuppe887

12.12.06 12:41, kommentieren

Sternschnuppe

Ich bin ein Stern aus weiter Ferne,

Aus einer Vielzahl bunter Sterne 

Wäre ich so gerne 

Wie eine Laterne.

Trotz meiner festen Umlaufbahn, 

Treiben mich Gedanken an,   

Hier und da und dort und dann -  

Fordern mehr, ich leisten kann.

Doch des Schaffens schöner Schein, 

Soll mein helles Leuchten sein.

Sternschnuppe887

 

12.12.06 13:00, kommentieren

Der Peiniger

Cora Schneider war ohne Zweifel eine attraktive Frau, auch wenn sie sich ihres guten Aussehens nicht unbedingt bewusst war. In ihren eigenen Augen war sie längst nicht mehr der hübsche Teenager, sondern eine Frau, der man ihre 35 Jahre durchaus ansah. Ihr war auch nicht bewusst, wie sehr sie unter ihrem selbst gewählten „Aschenputtel-Image“ litt, war sie doch einst selbstbewusst gewesen, auffallend geschminkt, hatte gern Röcke getragen, auch Miniröcke, die ihre Figur besonders gut zur Geltung brachten.

Eine Schlampe war sie keineswegs, doch schminkte sie sich jetzt dezent, und ihre Kleidung war überwiegend grau. Anstatt Röcke trug sie Hosen, statt figurbetonter Jeans in der Firma Hosenanzüge, und zu Hause bevorzugte sie den Schlabberlook.

Als sie vor zwölf Jahren ihre steile Karriere in der Firma begann, ist sie von den männlichen Kollegen stets mit Respekt behandelt worden, sie spürte jedoch die eine oder andere Bewunderung, was ihr durchaus schmeichelte.

An einem Tag jedoch bat sie ein älterer Kollege, etwas aus der Anlieferung zu holen, da er selbst in eine Besprechung musste. Cora war der Auftrag ganz recht, schließlich kannte sie sich in dem Haus noch nicht so gut aus, und sie war immer sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem.

Cora verließ den Aufzug und wollte sich gerade orientieren, als sie ein kleiner, leicht untersetzter Mann ansprach: „Suchen Sie etwas Bestimmtes, Fräulein?“

„Ja“, entgegnete sie, „ich wollte in die Anlieferung, um dort für Herrn Reinecke ein Päckchen abzuholen.“

„Oh, da sind Sie bei mir genau richtig“, und ein breites Grinsen schob sich über das Gesicht des kleinen untersetzten Mannes. „Kommen Sie, dort ist mein Büro“, und er deutete auf einen scheinbar endlosen Gang, von dem viele Räume abgingen. Eine Tür jedoch stand offen, bei den anderen Räumen schien es sich um Heizungs- und Abstellräume zu handeln.

„Sind Sie neu bei uns?“, fragte der Mann interessiert, während sie weitergingen.

Cora war ein wenig unsicher, ob sie seine flüchtige Handbewegung richtig gedeutet hatte und empfand es daher als unglücklich, dass der Mann hinter ihr ging, anstatt ihr den richtigen Weg zu weisen, indem er vorging. So betrat sie den Raum, von dem sie annahm, er würde ihn gemeint haben.

Ganz nebenbei beantwortete sie die Frage: „Die Stelle wurde neu geschaffen. Ich bin befristet für ein halbes Jahr in der Abteilung von Herrn Dr. Kaufmann.“

„Ahhhhh“, entgegnete er viel sagend, „das Paket liegt dort hinten auf dem Schreibtisch.“

Der Raum war kaum größer als der Schreibtisch, der darin stand, aber es gab noch eine Reihe Aktenschränke, die dem Raum eine unangenehme Enge verliehen. Das Interieur war noch eine Generation älter, als sie es aus ihrem Büro kannte, und der Gesamteindruck ließ sich als unpersönlich beschreiben.

Sie durchschritt nahezu den gesamten Raum, um das ziemlich am Ende des Schreibtisches befindliche Paket an sich zu nehmen.

„Sie müssen mir noch unterschreiben, dass sie es in Empfang genommen haben“, sagte er nun. „Ach, ich habe noch gar nicht gefragt, wie Sie heißen …“.

„Mein Name ist  Schneider, Cora Schneider“, und sie wunderte sich, warum er die schwere dunkelgrün gestrichene Stahltür schloss, wo der Raum ohnehin schon so eine Enge ausstrahlte. „Und wie heißen Sie?“

Er tat beinahe einen Sprung auf sie zu, als er ihr die Hand reichte. „Ich bin Manfred Frommel, aber alle sagen hier Manfred zu mir“, dabei drückte er seine Hand in ihre, mit der anderen hielt er sie an der Schulter und drückte sie mit seinen Körper an den Schreibtisch.

Sie wollte schreien, noch immer nicht sicher, ob sie die Situation richtig einschätzte, doch ihre Stimme versagte. Wollte dieser Mann sie hier auf seinem Schreibtisch mitten in der Firma vergewaltigen? Völlig ausgeschlossen! Sie musste kühlen Kopf bewahren!

Es gelang ihr, sich vom Schreibtisch abzustoßen und für einen Augenblick, völlig unberührt in Raum zu stehen. „Wo muss ich unterschreiben?“, fragte sie mit betont fester Stimme.

„Dort“, hauchte er und stand nun seitlich neben ihr. Sie konnte seinen Geruch wahrnehmen, die Wärme seines Atems spüren, und ihr drohte dabei das Blut in den Adern zu gefrieren.

Gerade, als sie unterschreiben wollte, hielt er ihre Hand fest: „Es ist wohl besser, wenn ich mit nach oben fahre und tragen helfe.“

Sie riss ihre Hand los und unterschrieb unleserlich. Dabei wirkte er auf sie wie ein schmieriger alter Sack, der sich an kleinen Mädchen vergeht. Sie spürte den Ekel in sich aufsteigen und musste sich zwingen, nicht ohnmächtig zu werden.

„Danke, das ist nicht nötig“, hörte sie sich abwesend sagen und wandte sich zum Gehen.

„Als Herr Reinecke anrief, sagte er, sie hätten Interesse an Büromaterial. Alles Originalware, nebenbei bin ich selbständig, hier verdient man ja nicht so viel“. Dabei machte er eine ausladende Bewegung, die seinen gesamten Arbeitsplatz einschloss.

‚Oh bitte nicht!’, dachte Cora, die eigentlich gehofft hatte, diesem Ort nun so schnell wie möglich entkommen zu können.

Sie hatte erwähnt, dass sie Interesse hatte, Büromaterial für die Firma ihres Vaters zu kaufen. Bequemer hätte sie es auch gar nicht haben können, als die Sachen direkt von der Firma nach Hause zu fahren – wenn sie den Wagen ihres Vaters nahm.

„Ich liefere auch an“, setzte er fort, aber ehe er weiter sprechen konnte, fiel Cora ihm ins Wort:

„Danke, das ist wirklich sehr freundlich, aber ich wohne außerhalb …“.

„Wo denn?“, wurde sie sogleich unterbrochen.

„Ach, so ein kleines Dorf, kenne Sie vermutlich gar nicht, Siebenfelden.“

„Siebenfelden bei Neuenburg?“, fragte er erstaunt.

„Ja“, entgegnete Cora unfähig, sich der Konversation zu entziehen.

„Da fahre ich jeden Morgen durch. Wir könnten sogar zusammen zur Arbeit fahren.“ Wieder kam er unangenehm näher.

Den Karton, den Cora fest umklammert hielt, wurde langsam schwer. Ihre Finger wurden bereits weiß von der Anspannung.

Es half nichts, sie sah sich gezwungen, den schweren Karton auf dem Schreibtisch abzusetzen, um danach einen endgültigen Fluchtversuch zu unternehmen.

Diese Gelegenheit ließ Manfred nicht ungenutzt verstreichen und versperrte so den Weg zur Türklinke. Dabei ergänzte er sein Angebot auf ein Neues:

„Also, bei so einer hübschen jungen Frau, kann ich auch mal eine Ausnahme machen mit der Bezahlung. Du kannst später bezahlen, wenn Du das Geld nicht gleich hast. Wir haben ja alle mal frisch angefangen hier. Dafür verlange ich auch nicht viel …“

Wieder hauchte er sie an, sein Atem roch nach Kaffee und Zigaretten. Sie spürte, wie ihre Beine nachgaben, aber der Schreibtisch hinter ihr gab ihr halt. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass er seine Hand zwischen ihre Beine schob, die sie daraufhin fest zusammenpresste.

Für einen Moment fand sie zu ihrer inneren Stärke zurück und sagte: „Lassen Sie das!“

Sie drückte sich mit ihrem Fliegengewicht gegen ihn und bewegte ihn durch die Überraschung, die davon ausging, dazu, den Weg zur Türklinke frei zu geben.

Entschlossen drückte sie die Türklinge nach unten und war verwundert darüber, wie leicht sich die Tür öffnen ließ. ‚So ein Trottel!’ dachte sie. ‚Du hättest wenigstens die Tür abschließen müssen.’

Selbstbewussten Schrittes ging sie zum Arbeitsplatz zurück, ohne sich umzudrehen.

Fortsetzung folgt 

 

2 Kommentare 19.12.06 12:16, kommentieren

Cora stellt sich vor

Vielleicht könnt Ihr Euch noch erinnern, daß ich vor einiger Zeit ein paar meiner Helden kurz vorgestellt habe.

Cora beginnt heute mit dem ersten Teil Ihrer Vorgeschichte, die Fortsetzungen werden in unregelmäßigen Abständen folgen, um die Spannung ein wenig zu steigern.

Später wird uns die Single-Frau mehr über sich erzählen, z. B. über ihre Sehnsüchte, Träume, Hoffnungen und Ängste. Dabei erzählt sie ganz nebenbei von ihrer Karriere und ihre Erfahrungen mit Kontaktanzeigen. 

Auch wenn ihr Traummann noch nicht unter den Männern war, mit denen sie sich bislang getroffen hat, so ist sie einigen wirklich 'schrägen Vögeln' begegnet. Sie verspricht, keine rührseelige Liebesgeschichte zu erzählen, sondern viel mehr die Lachmuskeln zu strapazieren.

Viel Vergnügen!

Eure Sternschnuppe887  

1 Kommentar 19.12.06 12:40, kommentieren

Der Peiniger Fortsetzung I.

„Frau Schneider, ist das mein Päckchen? Na, das ist ja ein ausgewachsenes Paket“, witzelte Herr Reinecke, als er aus der Besprechung kam. „Das haben Sie aber hoffentlich nicht allein hier hoch getragen?“

„Doch“, entgegnete Cora, „kein Problem.“

„Sie hätten doch Herrn Frommel bitten sollen, dass er es nach oben trägt. Er hat auch eine Karre, also, Sie hätten sich nicht so abmühen müssen. Sie machen mir ein ganz schlechtes Gewissen. Konnte Herr Frommel Ihnen denn behilflich sein auf der Suche nach preiswertem Büromaterial?“

‚Oh nein’, dachte Cora. Manchmal waren die Kollegen auch zu aufmerksam: „Ja, danke für den Tipp. Ich werde gewiss später darauf zurückkommen, wenn ich weiß, was genau gebraucht wird.“

Herr Reinecke hatte Respekt vor dem Engagement der jungen Frau, die ihr eigenes Leben führte und trotzdem den Eltern in ihrem Betrieb unterstützte. Obwohl er selbst Kinder hatte, hätte er sich eine Tochter wie sie sehr gewünscht. __________________________________________________

Zu Hause fühlte Cora sich ausgebrannt und leer, konnte die Situation noch immer nicht erfassen. War das nun tatsächlich passiert, hatte sie geträumt oder bildete sie sich das alles nur ein?

Ihr Freund, mit dem sie zusammenlebte, war zum Sport gegangen und hatte ihr Essen auf den Herd gestellt. Anton war wirklich lieb!

Auch wenn es nur Ravioli aus der Dose waren, so zeigte er doch stets seine Aufmerksamkeit. Ihm vertraute sie, ihn liebte sie, aber könnte sie ihm auch erzählen, was heute geschah?

Sie aß monoton ihre Ravioli, zappte dabei ein wenig durch das Fernsehprogramm, schaltete den Fernseher aber letztlich doch aus. Ihr war eher nach einem Entspannungsbad.

Sie ließ sich Wasser ein, versuchte an etwas Schönes zu denken, an Anton, an Urlaub, an den Hund, den sie als kleines Mädchen gehabt hatte, aber die Gedanken schweiften wieder und wieder ab – zu dem Vorfall, den sie nicht vollständig realisieren konnte.

Außerdem hatte sie sich um eine unbefristete Anstellung beworben. Was wäre, wenn sie diesem Menschen ein Leben lang über den Weg laufen müsste? Er war etwa 35 Jahre alt, höchstens 40 – das könnte sie nicht ertragen bis zu seiner Rente. Vielleicht war es also besser, den Betriebsrat über den Vorfall zu informieren.

So ein Vorfall während des befristeten Arbeitsverhältnisses – das könnte sich auch für sie nachteilig erweisen. Sie würde vielleicht für hysterisch gehalten oder Schlimmeres, während der Mann dort vielleicht schon jahrelang unbemerkt Kolleginnen nachstellt.

Während sie aus der Wanne stieg, war sie zu der Überzeugung gekommen, dass es besser war, wenn sie die Angelegenheit nicht weiter betrachtete. So etwas könnte sie den Job kosten, wenn man davon ausginge, dass man dem langjährigen Mitarbeiter mehr Glauben schenken dürfte, als einer Aushilfe.

Plötzlich wurde ihr übel. Sie musste sich übergeben, bis sie nichts mehr in sich hatte. Danach fiel sie erschöpft auf ihr Bett und schlief ein.

Fortsetzung folgt!

20.12.06 10:03, kommentieren

Der Peiniger Fortsetzung II

Am nächsten Morgen war Anton schon aus dem Haus, als sie erwachte. Wie süß, dass er sie hatte schlafen lassen. Er war ein richtiger Schatz.

Während sie sich ankleidete, beschloss sie, auch ihm nichts zu erzählen, vielleicht würde er denken, sie wolle sich nur interessant machen oder würde sich in etwas hineinsteigern. Es war also besser, ihr junges Glück nicht mit so einer Sache zu belasten.

Sie fuhr zur Arbeit, doch mulmig war ihr schon. Sollte sie diesem Menschen heute wieder begegnen? Wie würde er sich verhalten?

Doch darüber brauchte sie sich für lange Zeit keine Gedanken machen:

Nach einigen Tagen dachte sie nicht mehr so oft an den Vorfall im Keller. Sie hatte eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch für eine unbefristete Position, sie wollte mit Anton zum ersten Mal länger verreisen, im Betrieb ihrer Eltern liefen die Geschäfte außerordentlich gut, so dass sie überall gebraucht wurde.

Nach einigen Wochen hatte sie die Zusage für den Arbeitsplatz bekommen und freute sich über alle Maßen darüber. Sie beschloss jedoch, nie wieder zur Warenannahme zu gehen, sondern fortan Kollegen um Hilfe zu bitten, sollte sie in die Verlegenheit kommen. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihr; Pakete wurden künftig immer mit dem Hausboten zugestellt, so dass Angestellte nicht mehr in die Warennahme gehen mussten.

So vergingen diese zwölf Jahre, ohne dass Cora Schneider an den Vorfall im Keller erinnert wurde und ohne dass sie Manfred Frommel auch nur ein einziges Mal begegnet war. Auf Röcke hatte sie seitdem verzichtet, ihre Kleidung war stets klassisch, obwohl andere junge Frauen auch mal Ausschnitt oder Bein zeigten.

Im Laufe der Zeit näherte sich ihre Kleidung ihrem tatsächlichen Alter an, ohne dass es ihr bewusst gewesen war.

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Zwei Stockwerke tiefer auf der anderen Seite des Gebäudes saß Claudia Zahn an ihrem Arbeitsplatz. Fast zeitgleich wie Cora hatte sie ganz ähnliche Erfahrungen mit Manfred Frommel machen müssen. Im Gegensatz zu Cora Schneider hatte sie den Vorfall in der Personaldirektion gemeldet, und es war ein Gespräch mit Herrn Frommel geführt worden, bei dem er alle Vorwürfe bestritt: Als verheirateter Familienvater habe er sich nichts zu Schulden kommen lassen, die Frau habe alles erfunden und vieles mehr.

Dennoch hat die Dame in der Personaldirektion die Angelegenheit sehr ernst genommen, und zusammen mit anderen Abteilungen wurde ein Konzept erarbeitet, wie man Manfred Frommel vom Rest der Belegschaft fern halten könne. Das Resultat war verblüffend einfach: Der Bote brachte künftig die Sendungen direkt in die Abteilungen, und um Manfred Frommel wurde es still.

Es war so lange still, bis ihn eben diese zwölf Jahre später ein Rückenleiden dazu zwang, seinen Arbeitsplatz in der Warenannahme aufzugeben. Es wurde ein jüngerer Mitarbeiter auf der Position eingearbeitet, und Manfred Frommel in die Post versetzt, wo es auch zu seinen Aufgaben gehörte, die Post vom Keller in die Abteilungen zu bringen.

Mit einem kleinen Wagen, ähnlich einem Einkaufswagen aus dem Supermarkt, verrichtete er diese Tätigkeit, die seinen Rücken schonte. Weniger geschont wurden fortan die Nerven der weiblichen Belegschaft, denn Frommel benutzte mit dem Wagen stets den Fahrstuhl … 

Fortsetzung folgt

21.12.06 10:16, kommentieren