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Verdammt lang her,

Verdammt lang her, daß ich mich hier das letzte Mal betätigt habe. Das liegt im wesentlichen daran, daß mir die Erfahrung bei der Gestaltung einer eingenen Seite fehlt. Nur keine Unruhe aufkommen lassen, das wird schon. Derzeit bin ich leider noch mit anderen Dingen beschäftigt, so daß noch um etwas Geduld bitte.  

15.9.06 13:48, kommentieren



Die Tücken des Alltags

Als Betriebswirtin bin ich natürlich vertraut mit dem Begriff Zeitmanagement, und böse Zungen behaupten sogar, dass mein Leben zu „durchorganisiert“ sei, weil wenig Raum für spontane Aktivitäten bleibt. Das mag stimmen, was Termine betrifft. Das trifft aber ganz sicher nicht auf alle Bereiche meines Lebens zu, denn es gibt da eine chaotische Seite, die vermutlich jeder mehr oder weniger stark ausgeprägt in sich trägt.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass etwa 70% des Tages aus unvorhergesehenen Dingen bestehen. In keinem Seminar über Zeitmanagement darf der Teil fehlen, in dem es um die Eliminierung von persönlichen Zeitfressern geht. 

Zeitfresser sind wie Monster. Manche tarnen sich geschickt, andere sind übergroß und mächtig, dass wir Angst haben, uns ihnen im direkten Kampf zu stellen. Andere treten gar in Rudeln auf, und hat man zwei oder drei von ihnen am Schopf gepackt, sind sogleich mindestens drei neue da, weil die Gattung zu allem Überfluss dazu neigt, sich blitzartig zu vermehren.

Zeitfresser können einem gehörig den Spaß verderben, vor allem dann, wenn sich Dinge ereignen, in denen wir keine Routine haben, wie z. B. die Abwicklung eines Verkehrsunfalls.

Trotzdem züchten wir die eine oder andere Gattung oft selbst.

Auch geliebte Menschen können sich zu Zeitfressern entwickeln, indem sie uns emotional erpressen, Dinge für sie zu tun, für die wir keine Energie erübrigen können oder wollen. Manchmal hören wir uns Ihre Probleme erst geduldig an und sind am Ende nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, welche Probleme nun die eigenen sind. Vielleicht nehmen wir ihre Probleme gleich als die eigenen an, in der Hoffnung, deshalb mehr geliebt und geachtet zu werden.

Zeitmanagement steht in direktem Zusammenhang mit Ordnung, aber wie kommt es zum Chaos?

Problem Nummer 1: Altlasten

Wer sich über Jahre hinweg in einer Ausnahmesituation befunden hat, wird es am Ende schwerer haben, als jemand, der kontinuierlich alles auf dem Laufenden halten konnte. Jahrelange Krankheit von Angehörigen, länger andauernde Fortbildung, ungeplante Auslandseinsätze, ein Umbau des Hauses, den Hang dazu, Dinge aufzubewahren, erschweren den Durchblick und damit den Fluss des Lebens. Ehe man sich also versieht, bauen sich Altlasten auf. 

Problem Nummer 2: Unvorhergesehene Ereignisse

Manche Menschen scheinen das Unglück geradezu magisch anzuziehen: Da hat einer zwei  unverschuldete Autounfälle innerhalb kürzester Zeit, und fast zeitgleich wird er von einer Stadt in eine andere versetzt, dazu Termine beim Gutachter, Werkstattbesuche und  Schriftwechsel.

Aber auch jeder andere kennt das Problem, dass wenn es kommt, dann immer alles auf einmal, und schon geht der Überblick verloren.

Problem Nummer 3: Das eigene Chaos

Kinder, Haustiere, Hobbys, da sammelt sich ganz schön was an. Sieht die Wohnung nebst sämtlichen Nebenräumen wie Keller, Dachboden und Garage schon aus wie ein Schlachtfeld, geht niemand mehr das Problem mit Elan an. Es zehrt an den Kräften, raubt Energie für sinnvolle oder entspannende Tätigkeiten.

Kommt Stress dazu, ist die Frage, wie lange dieser Zustand durchgehalten werden kann, ohne gesundheitliche Schäden anzurichten. Kocht in der Küche das Essen über, schreit das Baby, kratzt die Katze an der Tür und klingelt mittendrin das Telefon, so ist das Maß des Erträglichen schnell erreicht.

Erschöpfung stellt sich ein, vielleicht Schlimmeres.

Oft entsteht ein wahrer Teufelskreis:

Weil die Wohnung nicht so optimal ist, häufen sich Zeitungen an, Anzeigen werden gelesen, gelegentlich eine Wohnung besichtigt. Die Zeitungen enthalten interessante Berichte über dieses und jenes, und so wird der eine oder andere Artikel aufbewahrt, um ihn später zu lesen, denn es fehlt ja die Zeit …

Der Lösungsweg

Es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Ansätze, dem Problem zu begegnen. Am besten gefällt mir die Pareto-Methode. Bei dieser Methode geht man davon aus, dass mit 20% des Aufwands 80% der Ergebnisse erzielt werden, wohingegen mit den restlichen 80% des Aufwands nur noch 20% der Ergebnisse erreicht werden.
Bei dieser Methode geht es darum zu erkennen, welche Aufgaben wirklich wichtig und welche eher nebensächlich sind. Die wichtigen Aufgaben werden zielgerichtet und konsequent abgearbeitet.

Der Alltag lässt und oft gar nicht genug Spielraum, zu erkennen, wo die Aufgabe einzuordnen ist oder wir müssen uns - entgegen aller Planung – flexibel auf neue Umstände einstellen. Plötzlich ist ein Abgabetermin eine Woche früher als vereinbart, ein Aufschub nicht möglich, und ausgerechnet jetzt wird die Sache an einer Ecke komplizierter als erwartet. Der Ansprechpartner ist diese Woche im Urlaub usw., und jetzt muss streng genommen ein neuer Plan erstellt werden. 

Zudem verfügt nicht jeder über ein abgeschlossenes Studium, um den Tücken des Alltags effektiv begegnen zu können. Daher hier ein Ansatz, der zwar wenig wissenschaftlich, dafür aber sowohl amüsant wie hilfreich ist:

Mir hilft es, mir das Problem als Monster vorzustellen, eine Welt, die ich quasi selbst geschaffen habe.

Für die Monster, die überlegensgroß sind und nicht erledigt werden können, gilt die Faustformel: Füttere die Bestie.

Hier ist Einsatz gefragt, denn diese Monster sind unberechenbar, d. h. lieber mehr Zeit einplanen und auch mal ein Leckerli geben, d. h. Lösungsvorschläge unterbreiten, nichts aufschieben oder liegenlassen, das macht die Bestie zornig. Zu dieser Kategorie gehört die Arbeit.

Getarnte Monster können viele Gesichter haben, daher sind sie sehr schwer zu identifizieren. Sie können sich in täglichen Ritualen verstecken, wie z. B. sich nach dem Essen hinzulegen und faul zu bleiben, nach der Lieblingsserie den Fernseher laufen zu lassen, obwohl das Programm nicht interessant ist, fruchtlose Gespräche um immer die selben Probleme von Freunden und Verwandten oder sogar Hobbys, die mehr fordern, als ursprünglich angenommen.

Sobald diese Monster enttarnt sind, gehören sie schlagartig einer der anderen Kategorien an oder lösen sich in Luft auf. Wir müssen uns nur bewusst werden, dass sie ohne unsere Gewohnheiten kaum eine Überlebenschance haben.

Die kleinen Monster, die in Rudeln auftreten sind i. d. R. die, die am häufigsten vorkommen. Hier noch eine E-Mail schreiben, eine Überweisung ausfüllen, da ist schon die Antwort auf die E-Mail, ach, da ist noch was unklar, das Paket muss noch weg, und die Post macht auch gleich zu …

In dieser Kategorie sind auch die Monster der Unordnung zu finden, die, sobald eine Sache gefunden ist, auch schon wieder verlegt ist, so dass eine weitere Suche ihren Lauf nimmt, bei dem die Rudimente einer beginnenden Ordnung im Keim erstickt werden, indem Stapel hektisch hin- und hergeräumt und durcheinander gebracht werden, bis das gewünschte Objekt gefunden wurde – oder eben nicht.

Manche Monster haben einen Schnuller im Mund oder rundherum Fell, sind im Allgemeinen recht niedlich, und deshalb man sieht ihnen nach, wenn sie sich Dinge herausnehmen, die genau betrachtet Zeitfresser sind. Das gilt für Nachräumen und Hinterhersäubern genauso wie für das Entertainment, das diese Gattung allzu gern in die Konsumentenhaltung verfallen lässt. Da hilft nur konsequente Erziehung, eine gute Organisation und eine Portion Fähigkeit, sich von Überflüssigem zu trennen, um nicht irgendwann physischen und psychischen Bankrott anzumelden.

Die kleinen Zeit fressenden Monster sind dann ungleich ungefährlicher, wenn die Information für die E-Mail griffbereit ist, die Überweisung auf dem Weg zur Post mit abgegeben werden kann, sprich alles übersichtlich geordnet und von Altlasten befreit ist. Sie sollten zeitnah erledigt werden, damit sich zur Rechnung keine Mahnung gesellt. Außerdem können diese Monster auch von anderen Personen erledigt werden.

Ebenso erleichtern schlechtes oder nicht vorhandenes Arbeitsmaterial den Monstern ihre Lebensbedingungen: Der Locher, der nur drei Zettel auf einmal heftet, der Tacker, der klemmt, fehlende Büroklammern, …

Es ist also an uns, Zeit fressende Monster in hilfreiche Heinzel zu verwandeln.

Außerdem kann es hilfreich sein zu akzeptieren, was nicht sofort zu ändern ist. Perfektion ist ebenfalls ein tödlicher Zeitfresser, aber das ist ein anderes Thema.

Eure Sternschnuppe887

 

 

 

21.9.06 09:46, kommentieren